Sonntag, 19. Februar 2017

Umzugsgedöns #4

Wir sind wieder in Deutschland angekommen! Alle zusammen, heile und vollständig. Nur meinen mp3-Player habe ich in Shanghai vergessen. Aber das ist wohl wirklich kein großes Problem.

Flug

Der Weg zum Flughafen war spannend. Wir wussten ja erstmal nicht, wie wir hinkommen sollten. Letztendlich hat dann eine ehemalige Kollegin für uns ein Taxi vorbestellt. Extra ein Expo-Taxi. Und mit ein bisschen Logik und Probieren passte dann auch das gesamte Gepäck hinein.

Am Flughafen selbst lief alles gut. Das Katerchen wurde in seiner Kiste verplompt und als Sperrgepäck aufgegeben, was nochmal 1000RMB gekostet hat.

Der Flug war ok. Das Essen war nicht so besonders und man konnte die Armlehnen nicht hochklappen, sodass der kleine Rabe nur auf mir schlafen konnte. Aber wenigstens konnte er ein bisschen schlafen. Ansonsten war der Flug sehr ruhig. War ja auch ein redeye.

Unglaublich erleichtert war ich, als ich in Frankfurt unser Katerchen wieder entgegen nehmen konnte. Der war ordentlich durch den Wind und hatte alles vollgepinkelt, aber er lebte. Und auch die Zollabwicklung mit ihm war kein Problem. Einmal kurz die Dokumente gezeigt und das war es auch schon.

Kater

Der Kater war, wie gesagt, recht durch den Wind und brauchte auch hier in Deutschland bei meinen Eltern ein paar Tage, um sich zu beruhigen. Aber ich bin derart erleichtert, dass er gesund und munter ist und alles soweit unbeschadet überstanden hat!

Seefracht

Die Seefracht ist schon im Hafen angekommen und befindet sich derzeit in der Zollabwicklung. Ein paar Papiere mussten wir noch einreichen, aber das läuft jetzt auch. Und danach müssen die Sachen halt eingelagert werden, bis wir in die Wohnung können.

Farewell party

Wir haben letztendlich doch eine kleine Party gegeben. Mit 5 Gästen und Essen bestellt. Es war sehr gediegen. Gerührt waren wir über das Fotobuch, das unsere holländischen Bekannten für uns zusammengestellt haben. Das wollen sie uns dann hierher schicken, weil es mit dem Druck wegen Chinesisch Neujahr zeitlich nicht mehr gepasst hatte.

Papierkram

Tatsächlich lief der Papierkram bisher besser ab, als erwartet. Wir sind alle hier gemeldet, das Haselchen und ich sind als "verheiratet" eingetragen und der kleine Rabe hat eine deutsche Geburtsurkunde erhalten. Die Mitgliedschaft bei der Krankenkasse haben wir beantragt und warten jetzt auf die Rückmeldung. Die Verzollung der Seefracht läuft und sobald wir die Steuernummer für den kleinen Raben bekommen haben, beantragen wir sein Kindergeld.

Emotionen

Wir sind hauptsächlich erleichtert, dass bis jetzt alles so gut geklappt hat und froh darum, endlich in Deutschland zu sein. Wir gehen jeden Tag raus, spazieren, auf den Spielplatz. Egal was. Hauptsache frische Luft! Und wir trinken Leitungswasser. Wir essen Käse, trinken Buttermilch, essen Schokolade und Brot und vegetarische Aufstriche und Wienerle und lauter Dinge, die wir in Shanghai nicht oder nur sehr selten hatten. Wir haben mit dem Hausarzt meines Vertrauens über Grippeimpfung gesprochen. Es ist so toll!

Vor uns liegt ja noch immer der Umzug in unsere Wohnung. Aber jetzt sind wir erstmal so richtig in Deutschland bei meiner Familie angekommen. Und der Gedanke, dass wir hier nicht in wenigen Tagen schon wieder weg müssen, der ist einfach toll.

Sonntag, 12. Februar 2017

12 von 12 Februar 2017

12 Bilder vom 12. Des Monats. Das ist 12 von 12. Mehr davon gibt es auf Draußen nur Kännchen.

Früh am Morgen und einfach nix los. So toll!  

Ein Fachwerkhaus im Ortskern. Im Vordergrund: Die Hauptstraße. Leer! Man kann sich ganz normal unterhalten. So toll! 

Ganz vielleicht habe ich ein ganz kleines bisschen zu viele Brötchen, Croissants und so gekauft. Aber ich habe mich gefühlt seit Jahren auf ein gemütliches Sonntagsfrühstück gefreut. 

Sonntagsfrühstück. Ohne Kerzen, Blümchen und Brimborium. Aber so toll! 

Seit der (illegal ins Land geschmuggelte) Schädel aus Tibet ausgepackt ist, sieht mein Jugendzimmer, in dem der Rabe und ich hier schlafen, so lange wir in meinem Elternhaus wohnen, irgendwie okkult aus. 

Eine wunderschöne, antike Uhr - an der sich das Haselchen derart böse den Kopf stößt, dass er blutet und ihm fast eine Stunde lang schwindelig ist. Lustig muss aber wohl das Geräusch gewesen sein - das eigentlich nicht aktive Glockenspiel machte beim Stoß dann "Klong" 


Sicherheitshalber bleibt das Haselchen daheim. Wir gehen durch eisigen Wind übers Feld in den anderen Ortsteil. Ein Hoch auf den Winter-Fußsack am Kinderwagen! 

Ich feiere den super genialen, riesengroßen und tollen Kinderspielplatz im Schiffs- und Piraten-Thema 

Noch mehr Spielplatz. So toll! 

Wieder zu Hause. Der kleine Rabe sieht in Jeans derart niedlich aus! Hier ist alles so stinknormal. Für viele vielleicht langweilig. Für mich ein Traum. Spielsachen, Trinkwasser aus der Leitung, Sonntagsfrühstück... Alles so toll! 

Ein Glas Rotwein an Oliven und Schokolade, nachdem der kleine Rabe schläft. 

Ich deinstalliere Astrill auf dem Handy. Brauch ich nicht mehr. So toll!  

Dienstag, 7. Februar 2017

Fledermama und Haselchen - A tale of real love

She was sweet and twenty-two
First time from home
He was a stranger
To her and in the town
Where they first met
In a club in Madrid, long time ago

This is how the fairy-tale begins
A tale of true love

Abgewandelt nach A Tale Of Real Love von Chamber: L'orchestre de Chambre Noir (https://www.youtube.com/watch?v=XxnHJ_JdXk8)



Vor 5 Jahren haben das Haselchen und ich uns das Ja-Wort gegeben. Wie es dazu gekommen ist, dass ich, Kind aus einem Dorf in Hessen, einmal in Hong Kong stehen und auf Englisch meine vows für einen jungen Mann mit spanischem und russischem Pass, der in der UdSSR im heutigen Kasachstan geboren wurde, geben würde und danach würden wir wieder zurück in unsere gemeinsame Wohnung in Shanghai gehen... Das will ich einmal auch hier festgehalten haben. Und ich fange mal wieder bei Adam und Eva an:


Die frühen Jahre

Das Haselchen wurde in Almaty geboren. Damals in der UdSSR, heute in Kasachstan. Als er zwei Jahre alt war, rannte sein Vater davon. In den lokalen Zeitungen wurde er sogar als Verräter beschimpft, denn er hatte sich auf in den Westen gemacht. Für fünf Jahre würde er seine Familie komplett ignorieren und sich in Spanien niederlassen. Währenddessen wuchs das Haselchen bei seiner alleinerziehenden und für die Familie sorgenden Mutter und seinen Großeltern auf. Der Zerfall der UdSSR brauchte viel Chaos und Verwirrung und Unsicherheit für die Familie.

Ich war währenddessen ein unbeschwertes Kleinkind in Westdeutschland. Für mich ist  das einzige, woran ich mich bezüglich des Zerfalls des Ostblocks erinnern kann, die Einführung der 5-stelligen Postleitzahlen. Dazu gab es nämlich Sticker, die ich auf meine Spielzeug-Truhe geklebt habe. Eine gelbe Hand mit cooler Sonnenbrille.


Umbrüche und Neuanfänge

Fast forward von den Stickern einmal 10 Jahre in die Zukunft.

Das Haselchen war mittlerweile ein 15jähriger Teenie, der gerne Punk hörte und Gitarre spielte. Seine Mutter war erneut verheiratet in einer eher zweckmäßigen Ehe in Fernbeziehung mit einem Deutsch-Russen. Sein Vater war wieder verheiratet, hatte drei weitere Kinder bekommen und lebte erfolgreich in Madrid. Es gab Kontakt, aber der war eher sporadisch. Dann zog das Haselchen zunächst nach Bayern zum neuen Ehemann seiner Mutter. Geplant war, dass sie eine Weile später auch hinterher kommen und dann in Deutschland leben würde. Dann stand fest, dass seine Mutter und ihr neuer Mann wohl zusammen wirklich nicht glücklich werden würden und sie lieber in Almaty bleiben, gutes Geld dort verdienen und sich um ihre Eltern kümmern würde. Das Haselchen aber sollte und wollte besser in Europa sesshaft werden. So zog er zu seinem leiblichen Vater nach Madrid. Also lernte er Spanisch mit Erklärungen auf Deutsch, weil sein Deutsch seinerzeit besser war, als sein Englisch. Er ging zur Schule. Er bekam die Spanischen Staatsbürgerschaft. Nur mit seinem Vater und seiner Großmutter väterlicherseits kam er nicht aus. Als er 18 wurde, setzte der Vater ihn dann vor die Tür, weil er jetzt ja erwachsen sei. Finanzielle Unterstützung bekam er jedoch noch. Er suchte sich eine WG, machte sein spanische Äquivalent zum Abi und begann, zu studieren. Und verbrachte viele Abende in seinem Stammclub, dem „666“.

Ich lebte derweil weiter ganz langweilig und normal in Deutschland. Im Dorf. Fuhr mit dem Bus zur Schule, machte mein Abi und begann dann auch, zu studieren. Für mein Studium suchte ich mir die *ähm* beschauliche Kleinstadt Hof in Oberfranken aus. Für mein Studium (Internationales Management) musste ich dann ein Semester Praktikum und ein Semester Studium im Ausland absolvieren. Daher ging ich 2009 zunächst für 6 Monate Praktikum (und mit „Hola. Yo me llamo Fledermama. Yo no hablo espaniol.“ Und „Tu telefono taxi“ als einzigen Spanischkenntnissen) nach Madrid, weil ich in Frankreich, wohin ich ursprünglich wollte, keine Stelle finden konnte. 


One night in Madrid

Natürlich hatte ich schon vorher online gesucht, wo man in der neuen, spannenden Großstadt so würde ausgehen können. Dabei hatte ich den „666 Gothic Club“ gefunden. An meinem ersten Wochenende war ich gleich dort gewesen und mit einer ganzen Gruppe von Leuten ins Gespräch gekommen. Der Abend wurde spät, nach dem „seis“ ging man gemeinschaftlich in „Dark Hole“, es wurde immer später und in den frühen Morgenstunden trennte man sich, um sich auszuschlafen.

Am selben Wochenende war auch das Haselchen im 666. Eigentlich hatte er lieber WOW spielen wollen. Aber Freunde überredeten ihn. Dann hatte er einen tollen Abend, im Zuge dessen er eine junge Frau kennen lernte. Sie gefiel ihm, er gefiel ihr. Also tauschten sie Nummern aus. Er versuchte auch noch am selben Abend, sie anzurufen um zu schauen, dass sie auch beide die richtigen Nummern hatten. Was klappte. Am nächsten Tag wollte er ihr eine SMS schreiben, um sich für irgendwann im Laufe der Woche zu verabreden. Aber ihre Nummer war weg.


Deja-vu?

An meinem zweiten Wochenende ging ich wieder ins „seis“. Erstaunlich, aber wahr: Einen anderen Gothic Club gibt (bzw. gab) es samstags abends in Madrid nicht.

Auch das Haselchen ging hin. Eigentlich hätte er keine große Lust gehabt. Aber er wollte nach dem Mädel suchen, dessen Nummer sein Handy auf so mysteriöse Weise selbstständig gelöscht hatte.

Ich holte mir gerade einen Gin Tonic an der oberen Bar, als ich ihn vor einer der Säulen stehen sah. Sofort hatte ich dieses deutliche Gefühl, dass ich ihn kennen würde. Mein Hirn ratterte. Hirn und Gefühl einigten sich darauf, dass er wohl bei der Gruppe von der Vorwoche dabei gewesen sein müsste. Sicher war ich mir zwar nicht, schließlich hatte ich auch nicht den blassesten Schimmer, wie er heißen könnte, aber anders konnte ich mir das Gefühl, ihn  zu kennen, nicht erklären. Aber wenn er Teil der Gruppe von der Vorwoche gewesen wäre, wäre es ja sehr unhöflich, ihn jetzt einfach zu ignorieren. Also ging ich einfach hin und sagte „Hi!“. Wir kamen ins Gespräch und redeten den gesamten Abend über. Nur kurz unterbrochen von Tanzpausen meinerseits.

Nein, wir hatten uns in der Vorwoche nicht bereits unterhalten. Es stellte sich heraus, dass wir uns nie zuvor begegnet waren. Wir tauschten also Nummern und Emailaddressen aus. Noch in der selben Nacht schrieben wir uns die ersten SMS hin und her. Und so sollte es von nun an weiter gehen. Wir trafen uns mindestens jedes Wochenende, wir redeten, wir machten die ganze Nacht im Seis und im Moscow und beim Dönermann durch um früh morgens in den Capricho zu fahren und dort dann fast auf einer Bank einzuschlafen. Wir schrieben fleißig über ICQ und sendeten uns zahllose SMS (hihi, so oldschool^^). Und wir verliebten uns. Richtig, richtig heftig.

Eines der ersten gemeinsamen Fotos 

Angsterfüllter Start

Das Haselchen genoss das erstmal mehr im Moment.

Mir machte es viele, viele Sorgen. War doch mein Plan gewesen, nach dem Studium in Deutschland einen guten Job zu bekommen. Was sicherer, im Controlling oder der Buchhaltung vielleicht. Ich fand mich schon super flexibel dafür, dass ich bundesweit umziehen würde. Und nun war ich gerade Hals über Kopf dabei, mein Herz an einen Kerl zu verlieren, der zwei Fluzgstunden von Deutschland entfernt lebte?! Zwei Flugstunden, das war so weit weg für mich. Das würde doch niemals klappen. Fernbeziehungen klappen doch nie... Und am Ende stehen ganz viele Tränen und ein tiefes, tiefes Loch voller Liebeskummer und übelstem Herzschmerz. Und so intensiv, so aus vollem Herzen und mit all meiner Seele hatte ich mich zuvor noch nie verliebt. Jede Faser meines Seins wollte mit diesem Menschen zusammen sein. Und je höher der Höhenflug, desto tiefer würde der Fall am Ende werden.


Ein Mann schafft mehr als 10 Pferde

Nachdem wir uns etwa 4 Monate kannten, musste das Haselchen unerwartet zurück nach Almaty fliegen, weil sein Oma einen Schlaganfall hatte und die Familie seine Unterstützung brauchte. Noch vor seiner Rückkehr nach Madrid musste ich zurück nach Deutschland und dann bereits 3 Wochen später ging mein Flieger zum Studium nach Bali.

Wir standen weiter via Email, Skype und vkontakte in Verbindung. Ich hatte in meiner Unterkunft kein Internet, sodass wir nur schreiben konnten, wenn ich gerade in einem Internetcafe saß oder in einem der „teuren“ Restaurants mit WLAN aß und mein Laptop dabei hatte. 

Und so kam es, dass sich draußen sinflutartig der tropische Regen ergoss, während ich in einem chinesischen Restaurant saß und mit ihm über vk schrieb. Er eröffnete mir, dass er nach dem Ende seines Studiums nach China gehen würde. Mir sackte erstmal das Herz in die Hose. Und ganz spontan, mit zitternden Fingern, schrieb ich zurück: „Ok. Ich komme mit!“. Natürlich nicht auf Deutsch, wir schrieben seinerzeit immer auf Spanisch und den genauen Wortlaut weiß ich nicht mehr. Aber so spontan und aus dem Bauch und Herz heraus, wie er getroffen wurde, so fest stand mein Entschluss: Wenn dieser Kerl nach China geht, dann gehe ich mit. Ich, die ich noch knapp ein Jahr zuvor gesagt hate, nach China würden mich keine 10 Pferde bekommen. Weil kommunistisches Regime und so, da hätte ich zu viel Angst und so. Nun, es brauchte keine 10 Pferde. Nur einen Mann...


Fernbeziehung

Zum Glück musste er nicht gleich los. Seine Uni ging noch bis Sommer 2010. So besuchte ich ihn Anfang des Jahres in Madrid. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns nach nur 4 gemeinsamen Monaten bereits seit fast einem halben Jahr überhaupt nicht gesehen. Entsprechend nervös war ich also auch, als ich aus dem Gate des Fliegers kam. Würden wir uns überhaupt noch mögen? Würde er anders riechen? Ein Teil von mir war sich sicher, dass dieser „Zauber“, diese „Funken“ zwischen uns jetzt weg wären und wir nach dem Besuch letzendlich doch getrennter Wege gehen würden. So war das doch am Ende immer. Dieses fremde Gefühl nach einer langen Trennung. Wie damals in der Schule, wenn man seine Freunde in den 6 Wochen Sommerferien nicht gesehen hatte und sich erst irgendwie wieder neu kennen lernen musste.

Als ich ihn am Gate stehen sah, machte mein Herz einen kleinen Freudensprung. Den macht es bis heute noch immer jedes Mal, wenn ich ihn irgendwo von weiter her entdecke. Und die Entfremdung blieb aus. Komplett. Es war, als seien wir erst letzte Woche im Warner Brothers Park gewesen. Unser letzter gemeinsamer Ausflug, bevor er nach Almaty hatte aufbrechen müssen. Wir redeten und redeten und waren verliebter denn je.

Nach ein paar schönen Tagen flog ich zurück und begann mit meinen konkreten Plänen für Shanghai. Um ihm zu folgen, sobald ich meinen Abschluss gemacht hatte.

Wir waren schon immer sehr ernst

Antrag via ICQ

Wir schrieben weiter täglich. Meistens über ICQ. Eines abends dann – wir redeten gerade darüber, wann genau er abfliegen würde – meinte er, er müsste mich etwas fragen. Unbedingt bevor er nach China ginge. Und dann stand da, im hellgrünen Rahmen des ICQ-Fensters „Quiero ‘verlobt’ contigo...“.

Nein, das war kein romantischer Heiratsantrag mit Kniefall und Ring und Rosen, wie man ihn sich als Mädchen manchmal ausmalt. Und trotzdem hätte ich es mir schöner nicht vorstellen können. Nicht für das „wie“, sondern für das „wer“.

Ich antwortete jedoch nicht gleich. Folter für ihn, wie er mir später erzählte. Aber zumindest ein Kuss, so meinte ich, MUSSTE drin sein, wenn man sich verlobte. Und bitteschön mehr als ein virtueller.

Ich fragte sofort am nächsten Tag eine russische Kommolitonin, wie „Ja, ich will mich mit dir verloben“ auf Russisch heißt und übte dann fleißig die Aussprache.

Nicht lange später dann kam er von Madrid nach Hof geflogen. Und eigentlich hätte ich mir das fleißige Üben auch sparen können. Denn nach dem „Da, ya hatschu...“ quietschte er sofort schon vor Freude los, jauchzte und drückte mich so fest, dass ich mich bis heute frage, wie meine Rippen dabei alle heile bleiben konnten.

Wenige Tage später, in Leipzig zum WGT, fanden wir dann auch unsere silbernen Ringe, die wir bis heute tragen.

Er flog nach China, ich machte meine Uni fertig und flog hinterher. Der Rest ist Geschichte. ;-)

Unsere Ringe

Frisch verlobt 

Mein erster Besuch in Shanghai 


Hochzeitstatoos

Zur Hochzeit an sich haben wir keine neuen Ringe gekauft. Stattdessen haben wir uns beide tätowieren lassen. Ich am linken, er am rechten Handgelenk, damit unsere Tatoos beim Händchenhalten zusammen sind. Eine Triskele als Symbol für Ewigkeit mit den Wörtern „Liebe Treue Respekt“ – er auf Deutsch, ich auf Russisch – im Kreis drum herum. 

Das Foto ist nicht perfekt, aber erkennen kann man die Tattoos 


Warum Hong Kong

Und wie es kam, dass wir in Hong Kong geheiratet haben? Nun, das hat letztendlich ganz pragmatische Gründe. Eigentlich hatten wir es jetzt nicht so super eilig mit dem Hochzeit feiern. Wir wollten uns Zeit lassen und alles in Ruhe planen. Ein großes Fest auf einer Burg in Deutschland schwebte uns vor. Dann allerdings kam das Problem, dass das Haselchen in China kein Visum mehr bekam. Er war kein Student mehr, Touristenvisum gab es nur für 3 Monate und der Graumarkt, auf dem einem Agenten business visa besorgen können, wurde immer illegaler und unsicherer. Unser Versuch, ein Dokument zu bekommen, das uns eine „eheähnliche Gemeinschaft“ belegen konnte, scheiterte ebenfalls. Ich hatte schon mein Arbeitsvisum und ein Ehepartner kann mit dem ein Spouse visa bekommen. Also flog er einmal nach Almaty, um nochmal 3 Monate Touristenvisum zu bekommen, weil selbst das mit der früher bei Expats üblichen HK-Tour nicht mehr klappte. Und wir planten die Hochzeit. In Hong Kong geht das sehr viel einfacher, als auf dem Festland. Alles, was wir brauchten, waren unsere Pässe, eine notariell beglaubigte Anmeldung und dann konnten wir den Termin buchen. Ein paar Tage vorher mussten wir vor einem HK Beamten schwören, dass es keinen Grund gäbe, warum wir nicht heiraten dürften (also nicht schon verheiratet oder miteinander verwandt seien). Am Tag selbst führen wir zum marriage registry, unsere Pässe und die Pässe unserer Trauzeugen wurden begutachtet und schon lasen wir unsere vows von großen Kunststoffkarten ab, beantworteten die Frage des Standesbeamten jeweils mit „Yes, I do.“ Und plötzlich waren wir ganz offiziell Mann und Frau.

Hier lese ich gerade die vows vor 

Die Standesbeamtin erklärt, wer welche Zeilen lesen muss 

Mini-Fotoshooting

Im Restaurant 

Wenn ich meinen Mann einen Kuchen beschriften lasse 

Über die Schwelle tragen 

Montag, 6. Februar 2017

любовь верность уважение - ein offener Liebesbrief an meinen Mann

Das Haselchen und ich sind nun seit 5 Jahren verheiratet. Klar, das sind noch keine 15 oder gar 50. Aber doch ist es nicht gerade erst seit Gestern. Daher kommt jetzt hier ein offener Liebesbrief an den besten Mann, den ich mir nur wünschen könnte (in Englisch, damit er ihn auch wirklich lesen kann – und weil es ich sehr seltsam anfühlt, wenn ich versuche, Deutsch mit ihm zu sprechen^^).

  

  

  

 

My Dearchen,

 

It’s our wedding anniversary and I didn’t get you anything. I know you say that’s not an issue, but anyways… I still take this as an opportunity to tell you and the whole world how much I love you.

 

You are the best thing that has ever happened to me. You are the love of my life. With you, I finally found happiness. Yes, in a way I do love our baby sonchen more. But it is another love. Another kind of love. So the way I love you, I have never loved anyone before and I would never be able to love anybody else. We are simply like two pieces of a puzzle.

 

I know that we are not always living happily in harmony. We are discussing, we are fighting. Because we both can be stubborn and stupid and moody. You can make me so angry! (and I you) But even when I am angry, even when I call you asshole or stupid, I never cease to love you. Not even for the fraction of a second.

 

I don’t love you just out of habit. I don’t love you just for the comfort of being with you (and I am really, really comfortable with you – I can drill my nose and scratch my ass, just as I can share my most inner thoughts and feelings with you! If that is not ‘being comfortable’ then I don’t know what should be). I really love you for who you are. Not for all that you do. Not even that, no. I know and I appreciate all the things you do for us as a family. All the love, patience and care you give baby sonchen and me. All the work you do at home. Keeping everything clean and in your order (even though I disagree with your way of order… ;-) ), taking care of the cat and the kid, handling all those Chinese invoices and issues, making sure we have fun stuff to watch in the evening, washing and hanging clothes, repairing everything that gets broken and cooking awesome food. I might not tell you often enough, but I really know it. I see it and I appreciate it.

 

But if you could not do all those things, I would not love you any less. I know that you always WOULD, for as long as you’re physically and mentally are able to.

 

I love you for humor. You might sometimes exaggerate the trolling a bit (;-P), but you make me laugh. I like your sense of humor, especially regarding playing with words and giving things double meanings. And you have a dark humor.

 

I love you, because you are intelligent. Sure, you don’t know everything. No one does. But you are able to understand, you are willing to listen and you change your opinion when you get new facts. Most of the times, of course. You sometimes can be horribly stupid and narrow minded as well. But then, after, you re-think and come to conclusions. Those might not always be the same ones as mine. But you can always explain your point of view on things. And if somebody can give you a legit explanation as to why your point is wrong, you are capable of changing your opinion. That is, unfortunately, a rare characteristic of people these days. At least so it seems…

 

I love you, because you are, in many ways, my opposite. Sure, you, for instance, also hate to call anywhere and we have to play to decide who calls anybody. But where I am seeking harmony and try to be as diplomatic as possible, where I am many times sell myself short, stay quiet, play along more, you are quite the opposite. You are bluntly open and honest even beyond the point of no return. You are like BAM! Here I am, this is what I think, this is why I think so. If you disagree, give me new facts or fuck off. Both our ways have their upsides and their downsides, I think. And we both can learn from each other. And sometimes have a good influence on one another…

 

You are a very passionate person. That can be awesome and that can, at times, be hard. You sometimes can burst out passionately in a negative way. We both know that, even though you are most likely to deny it. But also you are passionate in a good way. In a very sexy way. You are passionate in discussions when you are proving your point. And you are passionate about music. You not just KNOW a lot about music, which you do. You are also FEELING music in a very specific way. You might not dance. You don’t. But when I watch you listen to some music you truly like, when you close your eyes and lose yourself in the sound, this is very special. And then, of course, there is your own music. You haven’t been able to record much these past years due to the lack of time. But when your play the guitar, your soul becomes nearly palpable. With all its facets. Even with those you are usually not that keen in showing even to me, let alone to the “public”.

 

Because also, you are a very, very sensitive person. Much more than you want anybody to see. You have become very good at hiding it, I have to admit. But you are so… delicate, in a way. I know where this comes from and I know why you are pretending it does not exist towards people you do not fully trust. Why you barely ever cry. Why you rather yell “Fuck you! I don’t give a SHIT!” or cover everything up with some stupid joke then show that you are hurt. And I think this is one of the main reasons why I love you so much. Because you not only have the capacity to do so in theory, but you actually do feel so deeply, you care so much and you are so sensitive to all the nuances of human emotion. Every day. You might not cry as much as I do. But when I do, you actually do understand why and you feel with me. This is, as an unfortunate matter of fact, too scarce in the hardened world we live in. And I love you so much for it!

 

Yet, to some degree out of all the hurt you have felt in the past, you have risen with an inner strength that not many have. I know as a fact that you are very proud of that and that you even tend to overestimate it a tad. But your still have a strength to live through horrors. Not unharmed. Everything takes its toll. On you as well. But unbroken.

 

I love you, because you are caring. Most of the time, you don’t care too much for others. You don’t harm them, but you don’t care much. But for the people you love, may it be your friends or your family, you do everything you can. You go beyond the point of exhaustion and you would fight until the last drop of blood has left your body, if needed. Sometimes, even in normal everyday life situation, you completely ignore your own basic needs (like for food or sleep) just to care for the ones you love and make them happy and comfortable.

 

This last point, I do see a bit critical. Because I really, really want to grow old with you. I do not want to imagine a world without you. But in order to achieve our life goal of sitting together, old and grey, with wrinkles all over our faces as the badass grandma and grandpa with the multicolored hair and full of tattoos, you have to get old. Which you won’t, if you don’t take better care of yourself. Neither baby son, nor me, nor the cats, nor your mother or sister or anybody else will be angry or hurt or have any problem if there is a bit of chaos in the apartment, or we eat a simple quick dinner or we order in food or you ask me to bring something from the supermarket after work or anything like that. Seriously.

 

Plus: Drink less, eat healthier and do some freaking sport! In this world, you only have this one body. Once it is dying, you will have to leave this world. I am sure we will meet each other in the next, one way or another. But I really like our life together in this one. So even if the next would may be better, why not enjoy what we have right here, right now, for as long as possible?!

 

You are, in many ways and many times, a mystery to me still. I have known you for nearly 8 years now. That is more than ¼ of your life. Nearly 1/3. And I am still certain that you have secrets. You confirmed this to me yourself the other day. Not lies, but things you rather not tell anybody. Not even me. As long as I don’t ask. Honestly, I respect this, but I find it hard. As I have told you many times in the past and will never get tired of telling you, I want to share EVERYTHING with you. But still I respect it. Just as I respect you as the person you are. And always will.

 

We might not always agree on everything. But I love you. For who you are. And I always will.

 

любовь

верность

уважение

 

Yours,

Until my forever ends

Sonntag, 5. Februar 2017

Tagebuchbloggen Februar 2017

Wie an jedem 5. will Frau Brüllen mal wieder wissen "Was machst du eigentlich den ganzen Tag?" - hier ist meine Antwort an einem Tag irgendwo im Fegefeuer zwischen Umzugsstress und noch zu früh zum Koffer packen. Und mit seltsamem Tagesrythmus dank Vorbereitung auf die Zeitumstellung...

00:03 Unsere Gäste sind gegangen. Der letzte, der noch seine Sachen auf dem Tisch vergessen hatte, kommt nochmal zurück und holt lachend alles. Das Haselchen und ich setzen uns aufs Sofa, trinken noch einen Schluck, essen Chips und reden.

1:05 Gerade als ich dabei bin, meine Haare zum Schlafen hoch zu rollen, wacht der kleine Rabe weinend auf. Das Haselchen geht zu ihm. Ich mache mich schnell fertig und wir tauschen Plätze. Ein paar Mal denke ich, dass er jetzt doch wieder schläft und der kleine Rabe heult doch wieder auf. Ich halte ihn, wir stillen und irgendwann atmet er dann doch ganz tief und ruhig, während sein Bäuchlein gluckert. Blähungen sind kacke.

1:32 Ruhe. Das Kind schläft und ich ebenfalls binnen Minuten.

Die restliche Nacht hindurch: Ein paar Mal stillen und nuckeln und kuscheln zu komischen Träumen,die eindeutig von der letzten Staffel AHS inspiriert waren. Nur weniger gruselig.

9:51 Ich werde freudig mit den Worten "Auto! Kinderwagen. Papa Kinderwagen nass!" begrüßt. Das Haselchen und der Kater kommen auch noch dazu und die gesamte Familie kuschelt erstmal eine Runde im Bett, bevor wir uns fertig machen und Frühstück vorbereiten. Die Luftwerte sind schlecht, daher muss der kleine Rabe heute drinnen bleiben.

11:00 Der Immobilienmakler kommt, um die Wohnungsabnahme zu machen und ein paar Fotos zu schießen. Es liegt überall Konfetti auf dem Boden herum, aber was soll's.

11:45 Wir erklären das Frühstück für beendet. Ich konnte sowieso kaum etwas essen, weil mir plötzlich bewusst wurde, dass uns nur noch 4 Nächte bis zum Flug bleiben und wir ja noch gefühlt unendlich viel zu tun haben.

12:00 Die Ayi kommt und beginnt zu putzen, das Haselchen geht zur Bank um Geld abzuheben und zu überweisen, ich sortiere Dokumente mit dem kleinen Raben auf dem Schoß. Der will mir unbedingt helfen mit den "dicke Mente". Ich bin erstaunt, wie viel Papier wir hier gesammelt haben. Das meiste ist vollkommen unwichtig, aber es sind halt auch so essentielle Dinge wie unsere Heiratsurkunde dabei.

13:20 Ich finde in unseren Unterlagen die beglaubigte und mit Apotille legalisierte Übersetzung der Geburtsurkunde des kleinen Raben. Falls ihr das Rumpeln bis nach Deutschland gehört habt: Das waren die Steine, die mir vom Herzen gefallen sind. Ich hatte nämlich komplett vergessen, dass wir die hatten und schon Panik deswegen geschoben. Puh. Ich habe mein past self offenbar unterschätzt.

13:45 Mittagessen. Reste vom Lieferservice von Gestern für die Großen, Gemüse-Fleisch-Suppe mit extra grünen Bohnen und "Espen" (Erbsen) von meinem Teller für den kleinen Raben.

14:40 Alle sind fertig mit essen und ich bringe den kleinen Raben ins Schlafzimmer, während das Haselchen den Tisch abräumt.

15:02 Der kleine Rabe schläft an der Brust ein.

15:35 Ich schleiche mich vorsichtig aus dem Schlafzimmer. Erst kuschle ich mich zum Haselchen und nerve ihn ein bisschen mit meinen nervösen Überlegungen dazu, was wir vor dem Flug noch alles machen müssen. Dann mache ich tatsächlich auch was und lege Klamotten für den kleinen Raben raus. Für die nächsten Tage, für den Flug und ein Set falls was daneben geht.

16:40 Der kleine Rabe wacht auf. Leider genau in dem Moment, in dem ich ein wenig prekär im Bad festsitze... Ich sage ihm durchs Babyphone, dass alles ok ist und ich gleich komme. Tue ich dann auch schnellstmöglich, aber weiterschlafen ist nicht. Also kuscheln wir, "streicheln" den Kater. Der kleine Rabe geht aufs Töpfchen, schaut dort ein bisschen Cartoons und ich sortiere Wäsche vor. Frisch gewickelt und fidel gehen wir das Haselchen wecken, der ebenfalls den Luxus eines Mittagsschlafs genutzt hat. Der kleine Rabe maträtiert seinen Papa ein wenig, indem er ihm schwer in den Magen springt. Danach gehen wir zusammen zum Nachmittagssnack.

17:45 Wir stärken uns an Haferbrei mit Erd- und Blaubeeren, Chaladez, Brot und Muffins. Dazu Milchtee, Wasser und Ingwertee.

18:15 Der kleine Rabe krabbelt fröhlich seinem durch die Gegend fahrenden Zug hinter. Ich trinke meinen Milchtee aus und schreibe hier weiter. Das Haselchen neben mir sitzt ebenfalls am Handy und nippt gemütlich seinen Tee leer.

18:23 Das Haselchen geht spülen. Ich bleibe noch ein paar Minuten sitzen. Dann spiele ich mit dem kleinen Raben. Wir rollen uns ein Uboot und Autos hin und her, üben Laufen an nur einer Hand, jagen den Zug durch die Wohnung, streicheln den Kater, stillen, sammeln Konfetti ein, öffnen und schließen leere Schubladen und so weiter.

20:20 Abendessen für den kleinen Raben. Es gibt Brot, Chaldez, Tomate und Gurke und zum Nachtisch Blaubeeren und pinke Drachenfrucht.

21:45 Das Abendessen ist jetzt endgültig zu Ende und ich konnte den kleinen Raben sogar davon überzeugen, dass eine Blaubeere kein gutes Spielzeug ist, das man überall mit hin nimmt (aber nicht isst).

Ich bringe ihn ins Schlafzimmer, wo es die normale Abendroutine mit Töpfchen und Cartoons gibt. Bei seinem Wäschekorb-Bad darf er heute gleich zwei mal den kleinen Eimer mit Schaum füllen. Nach dem Abtrocknen und Anziehen von Schlafanzug und "Ah Fuck" nimmt das Haselchen, das zwischenzeitlich übrigens die ganze Zeit in der Küche hantiert hat, ihn mit ins zweite Schlafzimmer. Die beiden schäkern ein wenig und sagen einander Gute Nacht. Dann komme ich, wir lesen die kleine Raupe Nimmersatt und dann stille ich den kleinen Raben in den Schlaf.
23:10 Der kleine Rabe schläft. Ich bin zufrieden. So wird er es am Donnerstag bzw Freitag bestimmt gut aushalten, dass unser Flug erst um kurz nach Mitternacht abhebt.

23:30 Ich schleiche mich aus dem Schlafzimmer. Das Haselchen und ich essen jetzt, sitzen im Wohnzimmer und reden.

0:00 Der Tag ist jetzt offiziell zu Ende. Ich werde zwar erst in einer Stunde schlafen gehen, aber ich beende den Eintrag mit dem Ende des Kalendertages.

Donnerstag, 2. Februar 2017

19 Monate kleiner Rabe

Herrje, wie die Zeit rennt! Dein nächstes Monatsupdate werde ich aus Deutschland schreiben... Und heute fasse ich mich kurz. Als ich angefangen habe, zu tippen, warst du kurz davor, wieder aufzwachen. Jetzt, beim Fertigstellen, ist es schon kurz nach 23:00 Uhr und ich werde bald ins Bett fallen, weil ich morgen einen langen Tag vor mir habe. Daher heute in Kurzform:


Gewicht und Größe

12,5 kg
82,5 cm


Gesundheit

Diesen Monat warst du wieder fit wie ein Turnschuh. Selbst die letzten beide Impfungen hast du weggesteckt wie nix. Jetzt haben wir mit dem Pieksen wenigstens mal bis zum 2. Geburtstag Ruhe.


Zähne

Die Zähne schossen dir diesen Monat wie Pilze aus dem Zahnfleisch. Du hast jetzt neben den beiden Schneidezähnen unten auch 2 Schneidezähne oben. Der rechte ist dabei weiter draußen als der linke. Außerdem sind die Spitzen von Schneidezahn 5 und 6 unten bereits komplett durchgebrochen und eine Backenzahnecke schimmert ebenfalls schon grau durch das Zahnfleisch.

Lustig ist dabei: Jeweils die Nacht bevor plötzlich am Morgen wieder ein Zahn einen Schuss gemacht hat, schläfst du wie ein Stein.


Spiele und Spielsachen

Wie im letzten Monat auch: Autos. Und: Ab! Dran! Ab! Dran!

Außerdem hast du deine Liebe zu Bällen entdeckt. Und zum Malen. Beziehungsweise auch zum Anweiseungen geben, was wir dir malen sollen. Wenn du selbst malst, dann großflächig auf dem Boden und allen Sachen um dich herum. Daher sind wir sehr froh, dass deine Stifte so leicht abgewischt werden können.


Medien

Leo, Max, Mimi und wie sie alle heißen gehören fest zu den Dingen, auf die du nicht mehr verzichten willst.


Laufen

Wir über fleißig das Laufen und du läufst mit Freude mit deinem Kinderwagen durch die Weltgeschichte. Also du hälst dich an der Sitzfläche fest und läufst los. An der Hand gehs du auch. Aber schon, wenn wir versuchen, dir nur eine Hand zu geben, bekommst du Angst. Theoretisch kannst du es und manchmal machst du dann schon ein paar Schritte. Aber irgendwann wirst du zittrig und beginnst, schreiben nach der zweiten Hand zu fordern. Wenn du diese nicht bekommst und dich auch nirgendwo sonst festhalten kannst, lässt du dich dann einfach auf den Po fallen.


Sprechen

Du bist eine Quasselstrippe sondersgleichen. Du erzählst uns alles, was so den Tag über passiert. Inkusive der Handlung in den Cartoons. Auf Deutsch und Russisch. Und du hast auch schon raus, dass ich dich auf Russisch nicht verstehe. Wenn daher das immer lauter werdende Wiederholen eines russischen Wortes bei mir nicht irgendwann zur Erkenntnis führt, rufst du dann nach Papa. Der übersetzt mir dann, ich sage dir, wie es auf Deutsch heißt und du bist glücklich. Überhaupt bist du immer sehr glücklich, wenn wir uns unterhalten.

Donnerstag, 26. Januar 2017

Von der guten Seite an Traumata

Sowohl ich, als auch ganz besonders das Haselchen, haben bis jetzt in unserem Leben unseren „fair share“ an traumatischen Erlebnissen mitgemacht. Von den zwei schlimmsten aus der jüngeren Vergangenheit – meiner Ausschabung ohne Narkose und unserer Trennung von unserem Neugeborenen – hatte ich ja hier ausführlich geschrieben. Noch können wir unsere Traumata zusammen an zwei Händen abzählen. Und ich hoffe sehr, dass dem auch so bleibt. Denn natürlich wünsche ich mir kein weiteres körperliches oder seelisches Leid. Weder für mich, noch für die Menschen, die ich liebe. Natürlich weiß ich, dass wir Schlimme Dinge niemals ganz verhindern können...

 

Aber heute will ich gar nicht von dem Schlimmen schreiben. Sondern von dem Guten, das daraus erwachsen kann.

 

Nein, ich bin mit Sicherheit kein Verfechter des „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“. Nicht, wenn es als Grund dafür hergehalten wird, Menschen „abhärten“ zu wollen. Nicht, wenn damit Menschen das, was sie anderen Menschen antun, relativieren oder rechtfertigen wollen.

 

Aber man muss an einem Trauma nicht unbedingt verzweifeln. Man kann es überwinden, man kann lernen damit zu leben und man kann daran wachsen. Das ist etwas, das mir erst vor relativ kurzer Zeit bewusst wurde und das ich früher für unmöglich gehalten hätte. Ich hatte diese Idee im Kopf, dass ein Trauma dich immer ein Stück weit zerstört und einen Schaden anrichtet, der niemals wieder gaz heilen kann. Und ja, zu einem gewissen Grad stimmt das auch. Nach den Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend wird das Haselchen Fremden gegenüber immer misstrauisch sein. Ich werde auf einem Gynäkologen-Stuhl niemals mehr angstfrei sein können. Wir werden beide in bestimmten Situationen überreagieren und wir werden wohl beide immer ein bisschen um den kleinen Raben herum helikoptern. Aber es gibt eben noch diese andere Seite. Und über diese möchte ich heute schreiben.

 

Wie der Phoenix aus der Asche kann man etwas Schreckliches nicht nur überstehen, sondern tatsächlich einen Neuanfang daraus ziehen. Und wenn man aus der Bahn geworfen wurde, kann der Weg, auf den das Leben einen geschleudert hat, sich plötzlich als ein besserer entpuppen als der, den man zuvor gegangen ist. Natürlich MUSS das nicht so sein. Jeder Mensch ist anders, jede Situation ist eine andere und nur, weil ich eine Erfahrung gemacht und meine Schlüsse daraus gezogen habe heißt das nicht, dass ich damit Anspruch auf Allgemeingültigkeit erhebe.

 

Persönlichkeit

 

Ich mag die Person, die ich heute bin. Und ich liebe das Haselchen für seine Persönlichkeit. Wir sind vielleicht nicht immer ganz einfach und haben so unsere Macken. Aber – sorry, wenn das jetzt irgendwie arrogant klingt – wir haben Tiefgang. Ich mag viele Aspekte unserer (unterschiedlichen) Persönlichkeiten. Und wir wären nicht die Menschen, die wir heute sind, wenn wir nicht das Leben gelebt hätten, das wir bis jetzt gelebt haben. Beispielsweise wäre ich sonst vielleicht nicht so empathisch und diplomatisch. Das Haselchen wäre vielleicht nicht so direkt und ehrlich bis zur Schmerzgrenze (und darüber hinaus). Ich wäre vielleicht weniger emotional, warmherzig und reflektiert, er wäre vielleicht weniger fürsorglich, liebevoll und geheimnisvoll. Und uns beiden würde mit ziemlicher Sicherheit unsere Grundeinstellung von „Ach, leckt mich doch mit eurer ‘Gesellschaft‘ und euren Erwartungen und euren Normen!“ fehlen. Und damit, möchte ich sagen, ein ganz großes Stück Freiheit.

 

Im Allgemeinen übrigens ist mir einmal aufgefallen, dass die Menschen, die ich besonders gerne mag, allesamt richtig üble Scheiße in ihrem Leben durchgemacht haben. Meist sind diese Menschen ganz besonders empathisch. Inwiefern das eine das andere bedingt, kann ich nicht beurteilen. Aber es fällt auf.

 

Stärke

 

Aus dem Wissen, zuvor unvorstellbaren Schmerz – egal ob körperlich oder seelisch – überstanden zu haben und aus der Erfahrung, dass man es trotzdem schaffen kann, erwächst eine innere Stärke und weniger Angst. Kann erwachsen, sollte ich besser sagen. Aber ich spreche von konkreten Beispielen, in denen es so geschehen ist. Dinge, die einen vorher vielleicht verletzt oder sogar ganz aus der Bahn geworfen hätten, werden weniger wichtig. Die kleinen Schrecken des Lebens verblassen und verlieren ihre Macht über einen. Und wer einmal durch die Hölle gegangen ist und weiß, dass sie einen Ausgang hat (wie auch immer dieser aussieht), der geht mit einem anderen Wissen, einer anderen Einstellung und einem anderen Gefühl durch das nächste Jammertal.

 

Dankbarkeit und Glück

 

Nach der finstersten Nacht ist der Sonnenaufgang der schönste den man jemals gesehen hat. Aus Leid erwächst ein Bewusstsein dafür, wie gut es einem geht, wenn es einem gut geht. Und aus diesem Bewusstsein erwächst Dankbarkeit und Glück. Im Kleinen genau wie im Großen. Im Kleinen ist das wie dieser Moment, wenn die Kopfschmerztablette endlich anfängt zu wirken und die Schmerzen nachlassen. Objektiv betrachtet ist da vielleicht noch immer ein leichter Schmerz oder ein Unbehagen. Aber subjektiv geht es einem so viel besser und man freut sich, dass die Medizin wirkt.

 

Mein ganz persönliches Beispiel ist: Ich bin vom kleinen Raben nie genervt. Das scheint recht ungewöhnlich. Bestätigen mir doch praktisch alle anderen Eltern, dass sie manchmal die Nase voll haben von ihren Kids. Auch „schon“ mit 1 ½. Auch, wenn sie sie nicht ständig um sich haben. Ich finde diese Emotion bei anderen Eltern absolut legitim. Aber mir selbst ist sie fremd. Ja, es kann mich mal nerven, wenn ich den 30. LKW in Folge malen soll und dann schlage ich ein anderes Spiel vor. Aber dann bin ich trotzdem nicht vom kleinen Raben selbst genervt. Denn noch immer sind für mich die Erinnerungen an die Umstände seiner Geburt und unsere anschließende Trennung allgegenwärtig. Ja, damit sind auch Ängste verbunden, die andere Eltern vielleicht in dieser Intensität nicht so oft und so allgegenwärtig empfinden. Und vor einer weiteren Geburt muss ich mich da noch einigem stellen und es verarbeiten. Aber daraus resultiert auch eine derart unbändige Dankbarkeit und ein solches Glück, dass ich gerade schon wieder Freudentränen in den Augen habe. Einzig für die Tatsache, dass unser Kind bei uns ist und gesund ist. Dass er mit uns lacht und spricht, kreischheult, sich ausdrückt und ich ihn ihn den Arm nehmen und ihm einen Kuss ins Haar hauchen kann.

 

 

P.S.: Ich habe gerade einmal gegoogelt und bin dabei auf den Begriff „Posttraumatisches Wachstum“ gestoßen. Das scheint das alles ganz gut zu beschreiben...