Donnerstag, 19. Januar 2017

Tätowieren in der Stillzeit

Ich habe mich in der Stillzeit tätowieren lassen. Nun habe ich mich natürlich vorher ein wenig schlau gemacht. Die meisten Stellen raten grundsätzlich einfach davon ab und meinen, man solle unbedingt bis zum Ende der Stillzeit warten, bevor man sich Farbe unter die Haut stechen lässt. Weil just in case. Man weiß ja nie. Etwas differenzierter hat beispielsweise Regine Gresens auf Ihrer Website „Stillkinder.de“ dazu geantwortet (http://www.stillkinder.de/taetowierungen-in-der-stillzeit/). Und da ich es ja letztendlich getan habe, hier mein persönlicher Wissenstand und meine Erfahrungen:


Selbstverständlichkeiten

Vorweg will ich nur ganz kurz festhalten, dass sich diese Informationen natürlich darauf beziehen, dass man sich bei einem guten Tätowierer stechen lässt, der sauber arbeitet, sterile Einwegnadeln verwendet, seine Sachen im Autoklav sterilisiert, ordentliche Farben verwendet und so weiter. Wer sich gerne im Hinterhof mit Autolack und wiederverwerteten Nadeln ein Tattoo stechen lassen möchte, der sollte sich also auf das, was ich hier sage, nicht verlassen. Aber der hat dann wahrscheinlich ja sowieso ein derartiges Gottvertrauen, dass man nicht mehr viel dazu sagen muss... 


Geht die Farbe in die Milch?

Die Farbpigmente, die in die zweite Hautschicht gestochen werden, gehen aller Erkenntnis nach nicht direkt in die Muttermilch über. Also die Milch wird nicht bunt und das Kind kotzt keine Regenbögen. Und der Trägerstoff für Tattoofarbe ist meist destilliertes Wasser, was kein Problem darstellt. Was ein Risikofaktor sein kann sind die Schwermetalle, die in manchen Farben enthalten sein können. Diese können in die Milch übergehen, wie auch zum Beispiel das Quecksilber aus zu viel Thunfisch. Hier lohnt es sich, gegebenenfalls nochmal ein genaueres Auge auf die Farbe zu werfen, die der Inker verwendet.


Infektionsgefahr

Ja, beim Tätowieren kann man sich eine Infektion holen. Die großen Schreckgespenster, HIV und Hepatitis B, stellen jedoch bei einem sauber arbeitenden Tattoostudio keine wirklich reale Gefahr dar. Denn für diese müssten man zum Beispiel mit dem Blut oder anderen Körpersekreten eines Infizierten in Kontakt kommen. Was ja nun nicht passiert, wenn sauber gearbeitet wird.

Nun kann sich natürlich auch das frisch gestochene Tattoo infizieren und entzünden. Keime schweben ja schließlich ständig um uns herum und ein Tattoo ist nun mal sowas wie eine Schürfwunde. Also schon offen. Das ist ein reales Risiko, ja. Daher ist es auf jeden Fall – egal, ob stillend oder nicht – wichtig, sein frisch gestochenes Tattoo gut zu pflegen und sauber zu halten. Ich sage bewusst nicht sauber und trocken, weil ich Anhänger des wet healing bin, aber dazu gleich noch mehr. Wenn man allerdings genau dies tut, also das Tattoo regelmäßig wäscht, nur mit sauberen Tüchern abtupft, keinen Schmutz darauf bekommt etc, dann ist letztendlich das Risiko einer Wundinfektion bei einem Tattoo nicht viel größer als bei jeder anderen Verletzung auch. Und wenn ich in der Stillzeit hinfalle und mir das Knie aufschürfe, dann renne ich ja auch nicht vor Panik ob einer möglichen Infektion schreiend im Kreis. Obwohl das dann beim Straßenschmutz eigentlich sogar wahrscheinlicher wäre...


Allergierisiko

Ebenfalls besteht das Risiko einer allergischen Reaktion. Manche Leute können auf die Tattoofarbe an sich eine Allergie entwickeln. Andere reagieren allergisch gegen die Pflegecreme. Wenn das Immunsystem der Mutter auf irgend etwas überreagiert, kann das beim Stillen ebenfalls nachteilig sein. Außerdem würde ich in dem Zusammenhang bedenken, dass man in der Stillzeit gegebenenfalls empfindlicher ist und daher schneller eine Allergie entwickeln kann.

Bei mir war es zum Beispiel so, dass ich auf den gleichen Tattoobalsam, mit dem ich meine Flügel abgeheilt hatte, plötzlich reagiert habe. Es gab kleine Pusteln und es brannte wie Feuer. Also richtig fies. Dann platze die Haut auch noch ein bisschen auf. Also angenehm war anders. Ich musste dann eine andere Methode zum Abheilen nutzen. Obwohl ich den Balsam eigentlich ja schon kannte und gute Erfahrungen damit gemacht hatte. Aber meine Haut war einfach plötzlich viel, viel empfindlicher.


Haut nimmt die Farbe ggf anders an

Abseits von allen gesundheitlichen Risiken wollen viele Inker stillende Frauen nicht tätowieren, weil die Haut gegebenenfalls anders reagiert. Wie genau, das lässt sich nur schwer voraussagen. Bei manchen ist wohl alles einfach ganz normal wie immer. Bei anderen nimmt die Haut die Farbe gar nicht an und suppt sie mit viel Lymph-Flüssigkeit wieder aus.

Bei mir war es so, dass meine Haut allgemein eher empfindliche war. Der Artist, von dem ich meine Tattoos in der Stillzeit bekommen habe, arbeitet ohnehin so, dass er jedes Tattoo mindestens zweimal sticht: Vorsichtig, nicht zu tief mit wenig Farbe und dann eben nochmal nachstechen, bis es perfekt ist. Vorteil dabei ist, dass er nicht zu tief sticht. Somit verläuft die Farbe nicht, die Linien bleiben auch nach dem fertigen Abheilen klar und es gibt keine Narben auf der Haut. Nachteil ist für mich der doppelte oder dreifache Schmerz und die doppelte oder dreifache Wundheilung und für ihn die doppelte oder dreifache Zeit und Arbeit. Und bei mir war es jetzt eben so, dass wir Teile des Tattoos gleich zwei oder sogar drei Mal nachstechen mussten, weil meine Haut die Farbe nur schlecht annahm. Das merkte man schon beim Tätowieren selbst. Da glitt die Nadel über die Haut, es tat auch entsprechend weh, aber kaum wischte er mit dem Tuch nach war alles noch so hautfarben wie vorher. Also an manchen Stellen. Da mussten wir nochmal drüber. Und nochmal. Ouch. Und dann fiel auch beim Abheilen vergleichsweise viel Farbe wieder aus. Nein, ich hatte keine Kruste und habe auch nicht geknibbelt. Es suppte einfach und die Lymphe wuschen mehr Farbe mit aus, als zum Beispiel bei meinem Mann, der zur gleichen Zeit vom gleichen Inker einen full sleeve verpasst bekam.


Die Wundheilung

Niemals vergessen sollte man bei einem Tattoo die Wundheilung. Mit einer guten Pflege nach dem Stechen steht und fällt oftmals, ob ein Tattoo gut aussieht oder verhunzt wird. Da kann sich der Inker vorher noch so viel Mühe gegeben haben. Und auch hier kann eben in der Stillzeit vieles anders sein, als vorher oder nachher. Meistens ist es so, dass das Abheilen dann länger dauert.

Ich finde ja die Heilung bei einem Tattoo sowieso immer am schlimmsten. Stechen kann ich gerne auch 5, 6 Stunden am Stück ertragen. Aber wenn es dann in der Nacht noch immer brennt... Argh! Und meine Wundheilung des Tattoos war in der Stillzeit richtig blöd. Vorher kannte ich es so: Etwa 2-3 Tage war das frische Tattoo offen, wund und brannte oder spannte. Dann war die offene Wunde verheilt und die Silberhaut fertig drüber. Nach etwa 2 weiteren Tagen dann wurde die Haut trocken und schälte sich einmal ab (oder auch nur teilweise, je nach Heilmethode vorher). Nach etwa 2-3 Tagen war auch das vorbei und alles war fertig abgeheilt. Summa summarum machte das aso etwa eine Woche vom Stechen bis zu „Ok, fertig. Jetzt halt ab und zu mit Bodylotion geschmeidig halten.“. In der Stillzeit dauerte das alles bei mir fast doppelt so lange. Vor allem die Zeit, in der das Tattoo noch brannte und sich heiß anfühlte war sehr lang. Nach jeder Sitzung wollte ich in der dritten Nacht danach fast verzweifeln. Und bei Bewegung gespannt hat es nach fast einer Woche noch immer. Erst dann begann das Abschälen und Jucken und den Punkt „Ok, jetzt geht es auch mal, wenn ich nicht ständig creme“ hatte ich erst nach 10 Tage bis zu 2 Wochen.


Würde ich es wieder tun?

Nach all den Schilderungen klingt das jetzt erstmal bescheuert, aber ja, ich würde mich jederzeit wieder auch in der Stillzeit tätowieren lassen. Ganz besonders in der Situation, in der ich mich dafür entschieden habe, hatte ich einen wirklich tollen Artist an der Hand, der kurz darauf allerdings das Land verlassen hat und jetzt ganz woanders lebt und dort als Musiker arbeitet. Also echt eine einmalige Chance.

Und ja, ich würde mich auch später wieder unter die Nadel legen, obwohl ich noch laktiere. Allerdings würde ich wohl etwas länger warten als diesmal. Denn zu der Zeit, zu der ich mich habe stechen lassen, haben wir noch sehr, sehr viel gestillt. Beinahe noch voll. Und ich vermute, dass auch die Stillfrequenz ein wenig damit zu tun hat, wie sehr der Körper noch anders reagiert. Außerdem würde ich mir heute andere Termine suchen, sodass ich nach dem Stechen am besten 1-2 Tage frei habe. Diesmal war es so, dass ich meist schon am nächsten Tag wieder ins Büro musste, wo es mit dem Pflegen des Tattoos zwar klappte, aber halt doch unbequem und stressig war.


Soll ich mich in der Stillzeit tätowieren lassen?

Ob du persönlich dich jetzt in der Stillzeit tätowieren lassen sollst, das kann ich dir natürlich nicht sagen. Diese Entscheidung musst du selbst treffen und dabei die Vor- und Nachteile in deiner persönlichen Situation abwiegen. 
Ich würde dir jedoch auf jeden Fall von einem Tattoo in der Stillzeit abraten, wenn es dein aller erstes sein würde. Ich hatte zu dem Zeitpunkt, zu dem ich mich während der Stillzeit habe stechen lassen bereits 10+ Stunden Nadelerfahrung. Das heißt ich wusste bereits zumindest ungefähr, wie ich das Tätowieren vertrage, wie die Heilung bei mir abläuft etc. Es gibt Leute, die klappen beim Stechen zusammen und vertragen es vom Kreislauf her nicht. Es gibt Leute, die allergisch gegen die Farbe oder die Pflegecremes sind. Es gibt Leute, die Probleme mit der Wundheilung haben und bei denen das Abheilen eines Tattoos mehrere Wochen dauert. Es gibt Leute, deren Haut die Farbe schlecht annimmt und viel wieder aussuppt. Es gibt Leute, die zu Infektionen neigen und die daher bei einem neuen Tattoo ganz extrem vorsichtig sein müssen. Und das alles halt ohne, dass die Stillzeit zu alledem noch „erschwerend“ hinzu kommt. Ob du zu einer oder mehrerer dieser Gruppen gehörst, das weißt du erst, wenn du dich schon mal hast tätowieren lassen. Und wenn du bereits wüsstest, dass zum Beispiel die Heilung bei dir fast einen Monat dauert, dann würdest du wohl auch nicht riskieren, das ganze während der Stillzeit durchzuziehen. Und natürlich ist da auch noch die Frage der Unsicherheit. Ich weiß, dass ein Tattoo anfangs brennt, sich heiß anfühlt, gerötet ist etc. All das KANN aber auch auf ein behandlungsbedürftige Entzündung des Tattoos hindeuten. Und, wie bei allem im Leben, macht auch hier bei der Unterscheidung die Übung den Meister. Nach meinem ersten Tattoo war ich da nämlich total verunsichert und hätte mir wohl, wenn ich zeitgleich gestillt hätte, tierische Sorgen gemacht. Vollkommen unnötig, weil diese Reaktion ganz normal war und nix entzündet war.

Und wenn du wirklich nicht mehr warten willst und zeitgleich noch stillt, dann wäre mein Rat, erstmal mit einer kürzeren Sitzung anzufangen. Also nicht gleich den vollen Tag mit 8 Stunden inken ausbuchen, sondern sich erstmal vorsichtig rantasten. Vielleicht erstmal etwas, das in einer halben Stunde gestochen ist. Denn natürlich macht es einen unterschied, ob der gesamte Oberarm aufgeschürft wird, oder man sich ein finger-großes Areal aufgekratzt hat.


Tattoowundheilung mit Muttermilch

Einen letzten Tipp noch. Mir hat das nach dem Fiasko mit der Reaktion auf den Balsam wohl das Tattoo gerettet und auch in der Folge viele Sorgen und Probleme erspart. Ich habe meine Tattoos in der Stillzeit mit meiner eigenen Milch abgeheilt. Stillmütter wissen, wie toll Muttermilch hilft, wenn das Kind wund ist. Und genauso gut hilft sie, wenn man selbst eine Wunde abheilen will.

Ich fahre ja ohnehin schon mit dem wet healing am besten. Also mit der Heilmethode, bei der man das frische Tattoo für etwa 3 Tage unter einer Folie abgedeckt lässt und das Trocken und die Krustenbildung verhindert. Natürlich ist es dabei sehr wichtig, das Tattoo mehrmals täglich zu waschen, sauber zu halten, vorsichtig trocken zu tupfen und erst dann wieder einzucremem und abzudecken, weil sich sonst in dem feucht-warmen Klima auch Keime super wohl fühlen. Aber so heilen meine Tattoos einfach am besten.

Nun habe ich nach dem Stechen die erste Folie nach den angerateten 4 Stunden abgemacht. Dann das Tattoos mit milder Waschlotion (Ärtzeseife geht auch gut, nur nichts aggressives oder parfümiertes) und lauwarmem Wasser abgewaschen (das dauerte – Vaseline runter waschen ist nervig!), vorsichtig trocken getupft und vielleicht 5 Minuten trocknen lassen. Dann habe ich frisches, sauberes Küchenkrepp mit Muttermilch getränkt, in dicken Lagen auf das Tattoo aufgelegt und alles wieder in Folie eingepackt. Es war eine Wohltat sondergleichen, wenn ich die frischen Tücher auflegte! Das habe ich dann alle 2-4 Stunden wiederholt. Außer nachts natürlich, da bliebt es auch ein paar Stunden länger drauf. Die Ränder habe ich jeweils mit medizinischem Klebeband aus dem Verbandskoffer abgeklebt, damit nicht gar so viel Milch-Supp-Gemisch sich in meiner Kleidung verteilte. Das roch nämlich nicht soooo lecker (die Fecken stanken halt einfach schnell nach saurer Milch). Das habe ich so dann für 4 Tage durchgezogen. Danach habe ich das Tattoo mit Kokosöl eingecremt, bis es fertig abgeheilt war.

In der Stillzeit tätowiert: Die Lichtgestalt, die sich aus dem Kokon befreit 

Ebenfalls in der Stillzeit tätowiert: Ein Rabe. Dazu das verkürzte Zitat von Goethe: Glücklich allein ist die Seele die liebt. 




Montag, 16. Januar 2017

Shanghai Alltag: Mein Lieblingsessen

Nachdem ich ja schon ein bisschen von den Tischsitten hatte, will ich heute ein bisschen über das plaudern, was ich hier ganz besonders gerne esse. Chinesische Küche ist nämlich weit mehr als Schweinefleisch süß-sauer, Frühlingsröllchen und gebackene Banane (die habe ich hier auch bis aufs japanische Teppanyaki noch nirgendwo bewusst gesehen). Jede Region hat ihre eigene Küche und zu jedem Rezept gibt es eine eigene Geschichte, die erklärt, wer das wann wie und warum erfunden hat.
  
  
Im Restaurant

Wenn wir essen gehen oder Essen bestellen, gibt es ein paar Gerichte, die müssen eigentlich immer sein. Dazu gehören:

Kartoffeln mit Bohnen

So einfach wie lecker und seit ich kein Fleisch mehr esse mein absoluter Favorit. Hier werden 50% grüne Bohnen und 50% Kartoffeln erst blanchiert, dann in Öl gebraten und mit einer braunen Sauce (wohl ein guter Teil Austernsauce) serviert. As simple as yummie can be und ich könnte mich reinlegen.

Eichhörnchenkarpfen

So ziemlich das Gegenteil von simpel ist der Eichhörnchenkarpfen. Der ist eine Spezialität aus der Gegen um Suzhou. Dazu wird ein Fisch, suprise suprise, meist ein Karpfen, so geschnitten und frittiert, dass er wie mitten in der Explosion eingefroren – oder eben wie ein buschiger Eichhörnchenschwanz – aussieht. Das ganze wird dann serviert mit einer süß-sauren Sauce und Pinienkernen. Ob der Fisch eigentlich vorher filetiert wird oder nicht, habe ich noch nicht ganz verstanden. Aber Gräte, die gestört hätten, hatten wir auch so gut wie nie. Also irgendwas machen die damit dann schon...



Kungpao Chicken

Fällt für mich inzwischen ja weg und ein bisschen bedauere ich es darum dann schon. Aber naja. Kung pao Chicken kennt man ja glaube ich im Westen auch. Hier hat sogar Pizza Hut eine „Kung Pao Chicken Pizza“ im Angebot. Leider, leide ohne die Erdnüsse. Und dabei finde ich die doch mit am besten...Ich gebe euch einfach mal den Link zu Wikipedia, da steht auch das Rezept mit bei:https://en.wikipedia.org/wiki/Kung_Pao_chicken

Scharf-Saure-Suppe

Auch sehr bekannt, glaube ich. Jedes Restaurant hat da hier so seine Eigenheiten dazu, manche machen sie besser, andere nicht so dolle. Aber grundsätzlich ist das eine Suppe mit gestocktem Ei und Tofu, Bambus und Pilzen, die oft mit Stärke angedickt wird. Sie ist sauer und scharf. Die Schärfe kommt manchmal von Pfeffer oder weißem Pfeffer und manchmal von Chillies und die Säure von Essig, oft von „Zu“, dem milden und ganz speziellen chinesischen Essig.

Gurkensalat China-Style

Das genaue Rezept kennt das Haselchen. Der macht die nämlich am leckersten überhaupt. Aber grundsätzlich besteht dieser „Salat“ oder halt „cold dish“ aus Salatgurken, die in in grobe Stücke geschnitten und mit der breiten Seite des Beil-Messers leicht platt gedrückt werden. Dann werden sie in einer Marinade mit Honig, Sojasoße, Zu, etwa einer Tonne Knoblauch pro 100 gr Gurke, Gewürzen sowie Erdnüssen eingelegt und damit dann auch serviert.

Spongy Tofu – Fungus – Erdnuss - Salat

Leider weiß ich nicht, wie das richtig heißt. Aber ganz besonders lecker war das von unserem alten Caterer hier im Büro. Spongy tofu ist Tofu, das aussieht wie ein Schwamm und von der Konsistenz an etwas festeres Roggenbrot erinnert. Dieses Tofu wird dabei mit Mu-Err Pilzen und frischen Erdnüssen in einer pikant-sauren Sauce (wohl ein Mix mit Zu, Austersauce, Honig und sonst was) serviert.


Streetfood

Wie auch im Rest Asiens ist auch in Shanghai The place to be für leckeres Essen eigentlich kein fancy Restaurant, sondern eine fettige, ranzige, übervolle Garküche oder Straßenecke. Mit Kind leider nicht mehr ganz so praktisch zu machen – aber dank dem Segen des Internet können wir auch hier die meisten Sachen zu uns nach Hause bestellen. Hier kannst du ja auch von einem mobilen Barbecue dein Essen per Mofaboten nach Hause liefern lassen...

Bautse

Leider letztes Jahr ein wenig in Verruf geraten, weil ein paar findige Leutchen mit Aluminium angereichertes Backpulver verwendet haben, um ihre Bautse besonders fluffig zu machen. Aber Bautse sind Teigtaschen aus fluffigem, weißen Teig, gefüllt mit Gemüse, Fleisch oder Süßem wie Eierpudding, die in großen Dämpfern im Wasserdampf gegart werden. Sehr simpel, sehr lecker. Meine Lieblingsbautse sind die aus dem Family Mart (hoffentlich ohne Aluminium – die habe ich in der Schwangerschaft täglich gegessen und sie gehörten auch zu den ersten Dingen, die der kleine Rabe selbst gegessen hat). Die mit Gemüse haben auch ein bisschen dried Tofu mit drin und die mit „normalem“ Fleisch (also nicht spicy, kein Hühnchen etc) haben kleine Stückchen Kastanie oder  Nuss mit drin.

Gebratene Nudeln Shanghai-Style

Die aller, aller besten Shanghai Style fried Noodles gab es bei unserer ersten Wohnung hier. Granny noodles nannten wir sie. Denn zubereitet wurden sie an der Straßenecke von der Granny, der auch das kleine Kiosk dort gehörte. Immer nur abends nach Einbruch der Dunkelheit holte sie ihren Campingkocher raus und brutzelte für 5 RMB pro Portion Shanghai style Nudeln mit Pak Choi, Mungbohnenkeimlingen und Ei. Dabei hatte sie ihre Übung so raus, dass sie ohne hinzusehen und während sie sich dabei unterhielt immer genau die richtige Menge Nudeln, Gemüse und Gewürze in den Wok schmiss. Das benutze Öl kippte sie dann immer in den Gulli direkt neben sich.

Mala tang

Mala steht für „numbing spicy“ und bezeichnet eine besondere Geschmacksnote aus der Sichuan-Küche. Durch den Sichuan pepper bekommt man ein leicht taubes Gefühl im Mund, während das ganze auch ordentlich scharf ist. Mala tang nun ist taub-scharfe Suppe. Hier gibt es riesengroße Pötte, in denen Brühe vor sich her köchelt. Jeder Gast sucht sich dann aus Nudeln, Gemüse, Tofu, Fischbällchen, Fleisch, Seetang, Kräutern etc pp das aus, was er oder sie gerne hätte. Das wird dann in kleinen Sieben im großen Topf gekocht und – je nach Wunsch – eben mit Mala Sauce oder ohne, mit Knoblauch, mit leicht scharf, ganz ohne scharf etc serviert.

Noctunal food

*sabber* *sabber* *sabber*

Noctunal food nennen wir das, was die Expats hier sonst als street barbecue bezeichnen. Noctunal, weil die meisten Grillmeister dazu erst nach Einbruch der Dunkelheit raus kommen. Meistens wird hier auf einem Fahradanhänger gerillt. Zubereitet werden über Holzkohle Spieße mit Fleisch, Tofu, Fisch, Gemüse und Meeresfrüchten sowie ganze Muscheln oder Auberginen. Ein paar Sachen sind schon vorher ein bisschen mariniert (beispielsweise die Tofu-Spiralen), aber das meiste wird direkt auf dem Grill mit Öl und Gewürzmischung bestrichen und bestreut. So kann man dann auch Wünsche zur Schärfe äußern (lade i dyendyen = ein kleines bisschen scharf). Mein Favorit hier sind die „spring rolls“ – in dünnes Tofu-Skin werden Salat, Petersilie, anderes Grünzeug oder needle mushrooms gerollt. Außerdem gibt es sehr leckere Saury (Makrelenhechte?).




Teppanyki

Ja, eigentlich gehört das nicht zur chinesischen Küche. Denn die heiße Platte hier ist japanisch. Aber egal. Auf jeden Fall: Teppanyaki ist eine große, heiße Platte. Man sitzt als Gast um diese herum und der Koch kocht die Speisen direkt vor der eigenen Nase. Das Typische hier in Shanghai dabei ist der All-you-can-eat-and-drink part. Für einen festen Preis, meist so um die 30-40 EUR pro Person, kann man so viel bestellen, wie man will. Sushi und Sashimi, Salate und dann eben von der heißen Platte Fleisch, Meeresfrüchte, Fisch, Gemüse, Reis, Nudeln, Pfannkuchen, Eier mit Kaviar etc etc. Dazu alle Getränke, inklusive frischer Säfte, Tee, Wein, Bier, Sake. Und zum Nachtisch gibt es dann flambierte Banane und Ananas mit Eiscreme und Creme Brulee und dazu vielleicht noch einen süßen Pflaumenwein. Geöffnet sind die meisten Teppanyaki von 17:00 bis 22:00 Uhr. Wir waren meist Punkt 17:00 Uhr da und rollten dann kurz vor 22:00 Uhr pappsatt und mit runden Schuhen wieder raus. Heute etwas kürzer und mit etwas mehr Cola und Saft. Aber trotzdem. *mjam*









Donnerstag, 12. Januar 2017

12 von 12 Januar 2017

Heute ist mein Opa gestorben.

Ich habe am Abend chinesischer Zeit davon erfahren. Mein Opa war das, was man als echten Zeitzeugen bezeichnen kann. Als junger Mann von gerade einmal 18 Jahren musste er in den Krieg ziehen. Er sah Schreckliches. Dinge, die er sein Leben lang nicht mehr vergessen würde können. Er wurde verwundet. Nur durch Zufall entging er dem sicheren Tod. Er kam in russische Gefangenschaft. Eine junge Ärztin rettete ihm das Leben, indem sie ihm heimlich Medizin gab. Er kam in ein Arbeitslager. Für viele, viele Jahre. Der Krieg war schon viele Jahre zu Ende, bis er wieder nach Hause kam. Seine Schrecken trug er in der Seele weiter bei sich. Und seine Quintessenz aus allem war: Auf beiden Seiten gab es gute und schlechte Menschen. Und: Nie wieder Krieg!

Die Russen, die man ihm als Feind gegeben hatte, hatte er lieben gelernt und er war stolz und froh, mit dem Mann seiner Enkelin Russisch sprechen zu können.

Ich werde ihn vermissen. 

Familienkuscheln im Bett

Der kleine Rabe puzzelt 

Wir gehen zusammen los. Mein Rad schiebe ich erst noch neben her. Aber unterwegs muss ich mich dann auf den Weg zur Arbeit machen. 

Ein Tempel, an dem ich täglich vorbei fahre. 

Frühstück zum Schichtbeginn um 12:30

Mit Fensterplatz

Lunchbox zu Mittag 

Die Kantine ist leer 

Salzburger Bergbauern Milch. Typisch Chinesisch, ne? 

Es ist dunkel geworden. Im Hintergrund sieht man den Flaschenöffner. 

Die Weihnachtdeko ist der fürs Spring Festival gewichen. 

Das Leben gehört den Lebenden. Aber auch den Toten können wir einen Platz darin einräumen. Denn Leben und Tod sind keine Gegenteile, sondern lediglich zwei Seiten der selben Sache. Ohne die eine gäbe es die andere nicht.

Ich denke an dich, Opa. Und ich hoffe, dass du auf der anderen Seite Frieden gefunden hast. 

Dienstag, 10. Januar 2017

Jammern auf hohem Niveau

Ich befürchte, ich trete mit diesem Artikel ein paar Leute ein bisschen auf die Zehen. Daher möchte ich einmal kurz vorweg schicken: Nur, weil etwas gut ist, heißt das ja nicht, dass es perfekt ist. Und nur, weil es anderswo viel schlimmer/schwerer/anstrengender ist heißt das nicht, dass man Missstände, Fehler und Verbesserungspotential nicht anprangern bzw. aufzeigen und Verbesserungen fordern darf oder kann. Aber ich glaube manchmal verliert man den Blick dafür, wie gut es einem eigentlich – trotz Möglichkeit zur Steigerung – geht.

 

Stein meines Anstoßes ist das für mich gefühlt ewige Gemecker über die Kinderkrankentage in Deutschland. Aber ich denke auch an Krankenversicherung, Krankentage, Urlaub etc.

 

Ich vergleiche die Situation in Deutschland jetzt mal mit der in China. Dem bevölkerungsreichsten Land der gesamte Welt und der zweitgrößten Volkswirtschaft der ganzen Welt. Hier leben beinahe 1,4 Milliarden (!!!) Menschen. Und dabei arbeite ich hier bei einem internationalen Unternehmen, dass sich nicht nur fair an alle geltenden Gesetze hält (was bei weitem nicht alle Firmen tun!), sondern sogar darüber hinaus geht. So bekommen bei uns jetzt global alle Eltern minimum 10 Tage voll bezahlten parenting leave – selbst, wenn sie nicht das gebärende Elternteil sind. Das heißt mir geht es eigentlich bezüglich all dieser Arbeitsrechtlichen Dinge sehr gut. Für chinesische Verhältnisse.

 

 

Steuern, Abgaben und Sozialversicherung

 

Ich habe es mal durchgerechnet. Wenn ich in Deutschland das selbe Gehalt bekäme wie hier, hätte ich – zuzüglich 1 x Kindergeld – im Monat gerade einmal 30 EUR im Monate weniger. Das ist 1 EUR pro Kalendertag, den ich mehr an Steuern und Abgaben zahlen müsste. Dafür hätte ich in Deutschland eine Krankenversicherung für meine ganze Familie, eine Arbeitslosenversicherung und eine Rentenversicherung. Außerdem kostenlose Bildung und Freizeitmöglichkeiten wie Kinderspielplätze. Bezuschussung zur Kinderbetreuung, steuerliche Absetzbarkeit von Betreuungskosten and anderen Posten. Hier in China habe ich nichts von alledem. Ok, ich habe inzwischen eine Krankenversicherung, die allerdings mein Arbeitgeber zur Gänze alleine zahlt (ich zahle nur die Steuern auf den Krankenkassenbeitrag, der als Bonus zum Gehalt gewertet wird) und die ausschließlich mich selbst und maximal 1 Kind (und das auch erst ab der Entlassung aus der Klinik nach Geburt mit dem Vermerk „gesund“!) mit einschließt. Mein Mann oder ein zweites Kind müssten dann privat versichert werden.

 

 

Krankenversicherung

 

Überhaupt, die Krankenversicherung. Wenn ich in Deutschland krank bin, dann gehe ich zum Arzt. Ggf zahle ich meine Praxisgebühr (wobei, ich glaube die gibt es nicht mehr, oder?) und gebe dem Arzt oder wer auch immer der front office macht meine Versichertenkarte und das war’s für mich. Alles andere läuft hinter den Kulissen ab und ich muss mir da meistens keinen größeren Kopf drum machen. Hier funktioniert praktisch jede bezahlbare Versicherung so, dass ich erstmal alles bezahlen muss. Noch bevor ich überhaupt einen Arzt zu Gesicht bekomme, versteht sich. Wer nicht zahlt, wird auch nicht behandelt. Nachdem ich dann alles erstmal aus eigener Tasche bezahlt habe, muss ich alle Quittungen zusammen mit dem vollständigen Arztbericht und einem Antragsformular binnen 3 Monaten an die Krankenkasse schicken und bekomme dann binnen 2 Monaten Bescheid, ob mir die Kosten erstattet werden.

 

Dabei sind die Kosten, die Übernommen werden, auch ganz klar gedeckelt. Für einen Geburt beispielsweise zahlt die Versicherung maximal 10.000 RMB für die natürliche und 15.000 RMB für den Kaiserschnitt. Also auch für alles, was um die Geburt herum noch so anfällt. Muss man ja alles extra zahlen. Meine PDA wurde genauso extra berechnet, wie der Sauerstoff, der Wehentropf oder die Glukose, die ich noch brauchte. Und dann eben auch noch die Tage auf der Station, der Ultraschall für die Blase wurde separat berechnet, der Katheter,... Stand alles separat gelistet auf chinesisch auf der Rechnung,d die ich vor Verlassen der Klinik begleichen musste. Immerhin, 10.000 RMB für die Geburt habe ich von der Krankenkasse zurück bekommen. Hätte ich aber zur Not auch privat gezahlt – das war der VIP-Preis für den Kreissaal, bei dem der Mann mit dabei sein darf, jemand Englisch spricht und man nicht mit 5 anderen Frauen zusammen im selben Zimmer sein Kind bekommt (was dann auch das Männer-Verbot begründet...). Aber das ist ein anderes Thema...

 

Und die Arzt- und Krankenhauskosten, die wir nach der Geburt des kleinen Raben für ihn hatten, wurden gar nicht übernommen. Weil: Voraussetzung, dass ein Kind (und eben maximal eins) in die Krankenversicherung mit aufgenommen wird ist, dass es als „gesund“ aus der Klinik entlassen wurde. Der kleine Rabe allerdings hatte ja seinen Infekt direkt nach der Geburt und wurde erst eine Woche später entlassen. Wer also Pech hat und ein Kind bekommt, das niemals als vollständig gesund aus dem Krankenhaus entlassen wird, der wird niemals eine Krankenversicherung für sein Kind bekommen und muss alles selbst zahlen.

 

 

Krankentage

 

Ich habe es erst neulich wieder nachgelesen und konnte es erst kaum glauben, aber in Deutschland bekommt man für bis zu 6 Wochen am Stück für die gleiche Erkrankung sein volles Gehalt weitergezahlt. Und danach Krankengeld von der Krankenkasse, sage und schreibe 70% aufs Brottegehalt. Und das bis 78 Wochen.

 

In China gesetzlich vorgeschrieben sind 5 voll bezahlte Krankentage. Egal für welche Erkrankung. 5 Tage pro Jahr.

 

Dazu kommt, dass man sich nicht einfach mal eben für einen Tag krank melden kann. Früher hatte mein Arbeitgeber die Regelung, dass man sich bis zu 1 Arbeitstag krank melden konnte, indem man eine Email schrieb. Heute müssen wir für jegliche Krank-Zeiten über 4 Stunden ein ärztliches Attest vorlegen. Bis die 5 Tage voll sind. Dann müssen wir für jegliche Krankheit und jegliche Dauer sofort ein Attest vorlegen. Wenn ich also meine 5 Krankentage schon aufgebraucht habe und mir – als Beispiel – bei der Spätschicht nach dem "Mittagessen" um 17:00 Uhr übel wird, dann bleibe ich trotzdem im Büro. Denn: So spät hat das Krankenhaus (zumindest das, in dem jemand Englisch spricht und ich nicht im chinesischen Krankenhaussystem mit seinen Wartenummern vom Automaten etc vollkommen verloren wäre) schon zu und der Arzt stellt mir ja kein Attest für eine Erkrankung aus, die schon wieder vorbei ist und ohne Attest darf ich nicht einmal die 2-3 Stunden früher nach Hause. Also kotze ich im Büro-Klo. Oder ich bitte um urgent leave. Der dann von meinem Jahresurlaub abgezogen wird oder – falls ich den schon genommen habe – komplett nicht bezahlt wird.

 

Wer außerdem länger als die 5 Tage im Jahr krank ist, bekommt partially paid sick leave. Wie viel man da bekommt ist ein bisschen kompliziert und reicht von 60% für maximal 3 Monate (Betriebszugehörigkeit weniger als 2 Jahre) bis 100% für maximal 24 Monate (Betriebszugehörigkeit mehr als 20 Jahre). Das wird alles vom Arbeitgeber bezahlt. Weil der durchschnittliche Chinese ja keine Krankenversicherung hat.

 

 

Urlaubsanspruch

 

In Deutschland hat man Anspruch auf 24 freie Werktage pro Jahr, also 20 Arbeitstage bei einer 5-Tage Woche und 14 bei einer 6-Tage Woche. Das ist ein gesetzlicher Mindestanspruch von 4 Wochen bezahltem Urlaub.

 

In China hat man im 1. Jahr der Betriebszugehörigkeit gar keinen Urlaubsanspruch. Nach dem 1. Jahr gilt dann bei gesamter Berufserfahrung unter 10 Jahren 5 Tage, unter 20 Jahren 10 Tage und über 20 Jahren 15 Tage. Ganz egal, wie viele Tage man arbeitet. Das heißt wer eine 6-Tage Woche hat, hat bei weniger als 5 Jahren gesamt Berufserfahrung nicht ganz eine Woche Urlaub pro Jahr. Wer seit über 20 Jahren berufstätig ist und nur 5 Tage die Woche arbeitet, hat volle 3 Wochen Urlaub.

 

Meine Firma gibt allen Beschäftigten 15 Tage Urlaub. Sogar schon im ersten Jahr der Betriebszugehörigkeit (bei weniger als einem vollen Jahr halt entsprechend pro-rated). Was verdammt großzügig ist, da viele Kollegen gerade erst ihren Abschluss gemacht und noch nie woanders gearbeitet haben.

 

  

Kinderkrank-Tage

 

Nun die Kinderkrank-Tage. In Deutschland, so habe ich gegoogelt, , darf jedes Elternteil bis z u 10 Tage pro Kind, maximal 25 Tage insgesamt, pro Jahr Kinderkrank nehmen, wenn das Kind jünger als zwölf Jahre ist, der Arzt ein Attest ausgestellt hat, die Betreuung und Pflege des Kindes aus ärztlicher Sicht erforderlich ist, sowohl der entsprechende Elternteil als auch das Kind gesetzlich versichert sind und keine anderen im Haushalt lebenden Personen das Kind betreuen können. Das Kinderkrankengeld beträgt 70 Prozent des Bruttoverdienstes, maximal 90 Prozent des Nettoverdienstes.

 

Ja, das System ist garantiert nicht perfekt. Den Papierkram dazu könnte man massiv reduzieren und so.

 

Ich habe mal geschaut, was Wikipedia so zur Situation in anderen Ländern sagt und das hier gefunden:

 

„In Finnland besteht ein Anrecht auf vier Tage pro Jahr Freistellung bei Krankheit eines Kindes; dabei wird das volle Gehalt gewährt.

In Frankreich besteht ein Freistellungsanspruch bei Krankheit eines Kindes, für bis zu 120 Tage im Jahr unabhängig von der Kinderzahl, mit einer im Vergleich zu Deutschland niedrigeren Zahlung (allocation de présence parentale) an die Eltern.

In Luxemburg kann bei schwerer Krankheit eines Kindes Sonderurlaub gewährt werden. Während der Freistellung erhält der Arbeitnehmer eine dem Krankengeld in Luxemburg gleichgestellte Zahlung.

In Polen werden Eltern wegen Krankheit eines Kindes bis zu 60 Tage pro Jahr voll bezahlt freigestellt.

In Schweden werden Eltern bei Krankheit eines Kindes auch längere Zeit freigestellt.“

 

Das heißt ich finde hier drei Beispiele, wo die Regelungen ggf besser sind. Wollt ihr wissen, was es in China gibt? Nichts. Absolut gar nichts. Ok, stimmt nicht. Wenn ich Glück habe, habe ich noch Urlaubstage übrig, die ich mir nehmen kann. Das habe ich zum Beispiel gemacht, als der kleine Rabe Magen-Darm hatte und außer Stillen absolut nichts zu sich nehmen wollte. Und ich hatte Glück, dass ich einen netter Arbeitgeber habe, der mir den Urlaub so kurzfristig genehmigt hat. Denn nicht einmal den illegalen Schritt, mich selbst krank zu melden, hätte ich gehen können – weil ich ja bereits für 5 Stunden Krankmeldung am Stück ein Attest vorzeigen muss.

 

  

Kindergeld

 

Wenn ich meinen chinesischen Kollegen das Prinzip des Kindergelds zu erklären versuche, schauen die mich mit großen, ungläubigen Augen an. Und wenn ich dann auch noch erkläre, wie viel Geld man in Deutschland im Monat bekommt, fallen sie fast um. Im internationalen Vergleich habe ich nur Luxembourg gefunden, das mehr Kindergeld zahlt.

 

  

Fazit

 

Und warum habe ich das alles hier jetzt so minutiös aufgedröselt? Nun ja, zum einen, um es einfach mal festgehalten zu haben. Und zum anderen um zu sagen: Bei allem Verbesserungspotential und bei allen suboptimalen Details geht es einem in Deutschland verdammt gut!

 

„Wir Deutschen“ meckern und motzen und mosern so gerne an allem herum. Dabei sollten wir vielleicht das eine oder andere mal kurz inne halten und uns bewusst machen, dass es uns echt gut geht. Wir haben so viel Sicherheit, wie haben so viele Leistungen und Freizeit, die uns gesetzlich zugesichert sind. So viele Privilegien im Vergleich zum größten Teil der restlichen Weltbevölkerung. Einfach weil wir dort geboren wurden, wo wir geboren wurden. Dafür sollten wir öfter mal einfach dankbar sein.

 

Damit meine ich nicht, dass die prekär beschäftigte Alleinerziehende, die keinen Urlaubsanspruch mehr für das Jahr hat und deren Kind nun den 21. Tag in diesem Jahr krank ist und die ja sowieso schon kaum noch weiß, wie sie die Miete für den nächsten Monat zusammenkratzen soll, in Jubelstürme auszubrechen hat. Oder dass der Schwerkranke, er sich seit Monaten schon mit der Krankenkasse um die Übernahme seiner tatsächlich wichtigen Behandlungen streitet und langsam am Ende seiner Kräfte ankommt sich nicht über die Situation beklagen darf.

 

Wer aber (ohne jegliche Geldsorgen) nur davon genervt ist, dass man mit dem kranken Kind halt nun mal zum Arzt muss, um ein Attest zu bekommen. Sorry, dafür habe ich nur sehr, sehr begrenzt Verständnis. Oder wenn Leute bemängeln, dass das Kindergeld ja überhaupt nicht alle Kosten deckt, die so ein Kind verursacht – dann aber kein Problem damit haben, zweimal pro Jahr in den Urlaub zu fahren. Oder wenn Leute meinen da ja eine Erkältung etwa eine Woche dauert sei es doch nur logisch, dass man sich als Arbeitnehmer selbstständig und ohne Attest für eine Woche am Stück krankmelden können MUSS. Und richtig aufregen kann ich mich über Leute die behaupten, mit den Steuern und Abgaben würde man dem Staat ‘ohne jede Gegenleistung Geld in den Rachen schmeißen’. Letzteren möchte ich gerne zurufen: „Ja denn geh halt wohin, wo es dir besser passt!“

 

Allen anderen will ich einfach nur sagen: Freut euch manchmal ein bisschen mehr über das, was ihr habt. Auch bei so „trockenen“ Themen wie „Urlaubsanspruch“ oder „Krankenversicherung“ macht das manchmal das Leben schöner. Ich für meinen Teil freue mich derzeit riesig darauf, diese Privilegien bald genießen zu dürfen.

 

 

P.S.: Gegebenenfalls muss ich mich selbst natürlich an genau das selbe erinnern, wenn ich total entnervt vor irgend einem Antrag sitze... ;-)

Samstag, 7. Januar 2017

Umzugsgedöns #3

Es hat sich mal wieder viel getan in Sachen Umzug. Der Countdown läuft... Also bildlich gesprochen wie auch tatsächlich, denn ich habe mir einen Countdown auf dem Handy eingerichtet, den ich mir an einem schlechten Tag mantraarig immer wieder ansehe.


  
Arbeit

Ich habe höchst offiziell und schriftlich gekündigt. Mein letzter Arbeitstag ist der 31. Januar 2017. Ich freue mich drauf und ich bin ein bisschen nervös. Aber derzeit überwiegt die Freude darauf, dann erstmal viel mehr Zeit mit dem kleinen Raben und dem Haselchen zu haben.

  
Seefracht

Die Seefracht ist weg. Alles wurde abgeholt, verpackt und ist nun auf dem Weg nach Deutschland. Wann genau die Sachen ankommen, ist noch unklar. Aber wenn sie früher da sin, als die Wohnung bezugsbereit, werden sie vor Ort eingelagert. Ein bisschen komisch ist es schon, in einen halb leeren Kleiderschrank zu schauen. Aber ja auch nicht mehr lange...

  
Katzen Kater

Gerade, als wir für die Katze drei potentielle neue Zuhause gefunden hatten, wurde sie krank und musste eingeschläfert werden. Nun also nur noch ein dicker, roter Kater.
 
Für den bekam ich schon Ende November den Anruf, dass mit dem Bluttest alles gut ist. Der Tollwuttiter reicht aus. Jetzt warten wir derzeit darauf, dass die Unterlagen dazu aus Deutschland kommen. Wir brauchen das nämlich schriftlich im Original. Eigentlich sollte das nur so 4 Wochen ab der Email dauern, aber ich vermute, dass es mit Weihnachten und Silvester dazwischen einfach bei der Post etwas länger braucht. Trotzdem werde ich da wohl nächste Woche mal anrufen. Nicht, dass die uns vergessen haben und der Wisch da schon seit Tagen sinnlos herumliegt...

Eine Transportbox haben wir auch gekauft. Mit Urineilagen. Und ein extra Kissen und eine Wasserflasche, bei der der Kater noch nicht gerafft hat, wie das mit dem Trinken klappen soll. Und Pheronomspay, das das Stresslevel auf Reisen reduzieren soll. Ich hoffe, dass das gut wirkt und der Dicke im Flieger keinen Herzkasper bekommt. Noch eine Katze möchte ich bitte dieses Jahr nicht mehr töten...


Wohnung

In der Wohnung wurde noch ein alter Wasserschaden entdeckt. Der wird fachmännich gerichtet, sodass sich der Einzugstermin ein wenig nach hinten verschiebt. Das heißt wir bleiben dann erstmal so 2 Wochen bei meinen Eltern, bevor es in die neuen Wohnung geht. Aber das wird gut. Mein Elternhaus ist auf jeden Fall groß genug, wir waren dort ja auch letztes Jahr bei unserem Heimaturlaub. Da wird keiner dem Lagerkoller erliegen. Und unsere Sachen sind ja dann auch noch immer fast alle im Container und wir haben nur Koffer dabei. Also muss auch nicht ein kompletter Hausstand in mein altes Jugendzimmer gepfercht werden.

  
Flug

Das war vielleicht ein Theater... Eigentlich wollte ich nur mal eben kurz bei Cathay Pacific anrufen, um den Sitz für den kleinen Raben fix zu machen und den Transport einer Katze anzukündigen. Auf einmal hieß es: Ja nee, „infant with seat“ gibt es nicht. Da brauchen Sie ein Kinderticket. Aber der Flug von HK aus ist komplett voll. Da gibt es gar keine freien Plätze mehr. Und Katze als Übergepäck? Ja nee, via Honk Kong geht das aber nicht. Das geht nur als Cargo. Da müssen Sie mal unser Cargo department anrufen. Und dann in Hong Kong die Katze aus dem Cargo abholen und nach HK ein führen und dann als Gepäck einchecken. Also vielleicht. Das weiß nur das lokale Cargo department. Aber auch nur vielleicht weil die sind ja hier lokal für China und dann ab HK ist das wieder anders...

Ich war erstmal stinksauer und dann ziemlich gestresst. Meinen Ärger machte ich in einer sehr sachlichen, aber ernsten Mail an das customer relations department Luft. Das Resultat der dort dann durchgeführten Untersuchung war eine formale Entschuldigung und eine volle Rückerstattung der Tickets.

Stattdessen fliegen wir halt jetzt am 10. Februar Holzklasse mit China Eastern. Aber Direktflug ohne Umsteigen. Ok, wir fliegen kurz nach Mitternacht ab und landen kurz nach 5 deutscher Zeit, also nicht ganz optimale Flugzeiten für meinen Geschmack (ich fliege gerne so, dass wir am frühen Abend landen – dann kann ich nach Begrüßung und was essen früh ins Bett gehen und am nächsten morgen direkt ohne großes Jetlag in den neuen Rhythms starten), aber damit kann ich leben. Schließlich müssen wir ja nicht so schnell wie möglich an die neue Zeit gewöhnt sein, weil wir ein paar Tage später schon wieder im Flieger zurück nach China sitzen... Und überhaupt, Direktflug ist eh bequemer und obendrauf kam der Flug jetzt selbst mit einem kleinen Buchungsfauxpass meinerseits und dem extra Kinderticket für einen eigenen Sitz für den kleinen Raben auf knapp die Hälfte des vorherigen Flugs. Und bis zu 23 kg Gepäck in 2 Koffern haben wir pro Person auch noch frei. Und der Kater ist auch schon fix angemeldet und der Transport eines Tieres wurde bestätigt. Das hat mich alles einige Telefonate gekostet – und ich HASSE es, irgendwo anzurufen! Aber das Ergebnis war es auf jeden Fall wert.

  
Farewell-party?

Theoretisch müssten wir jetzt eine Farewell Party planen. So will es ja eigentlich das ungeschriebene Gesetz. Aber, ehrlich gesagt, haben wir beide da absolut keine Lust drauf. Das liegt – zumindest bei mir – nicht nur an einer allgemeinen Ablehnung Menschen gegenüber und meiner unermesslichen Faulheit, sondern auch daran, dass halt von den Leuten, die wir da hier einladen könnten, niemand Kinder hat. Also das wäre an sich ja kein Problem. Aber die Leute haben dann halt eine dezent andere Vorstellung von Party, als ich es im Sinn hätte. Also heute. Früher wäre das mit Essen, Alkohol und Musik bis in die Nacht geritzt gewesen. Heute geht das halt so in der Form nicht ganz. Also mal schauen, ob und wenn ja was wir machen...

Donnerstag, 5. Januar 2017

Tagebuchbloggen Januar 2017

Wie an jedem 5. des Monats, will Frau Brüllen auch heute wieder wissen: Was machst du eigentlich den ganzen Tag? Bei uns heute in der "Wir tun eigentlich gar nichts, kuscheln alle miteinander, schlafen und essen" - Version.

 
 
00:00 Eigentlich war ich gerade auf dem Weg ins Bett, aber ich habe mein Handyladekabel auf dem Esstisch vergessen.
 
 

00:02 Mit noch immer ein bisschen verheulten Augen lese ich Twitter leer.
 
 

1:05 Ich konnte nicht anders und habe über die Katze geblogt. Jetzt schlafe ich.
 
 

Irgendwas gegen 7:00: Der kleine Rabe schickt sich an, vielleicht jetzt aufwachen zu wollen. Ich bin dazu noch zu müde... Also stille und schmuse ich ihn so lange, bis er wieder einschläft. Klappt. Ich darf mich halt nicht mehr bewegen...
 
 

9:30 Der kleine Rabe ist endgültig wach und fordert seinen "Ei-Mann" zum Spielen. Aber das ist jetzt ja wirklich ok und ich reiche ihm die Spielfigur eines Roboters, den man zu einem Ei zusammen klappen kann. Dann möchte er nochmal stillen, was er mit "Mama BH. B H. B! H! Bitte." mitteilt.

 
 
Das Haselchen kommt und der Kater auch noch dazu. Nun redet und schmust erstmal die gesamte Familie auf 150cmx190cm Bett.

 
 
Wir beschließen, jetzt nicht zu hetzen. Eigentlich wollten wir heute mit dem kleinen Raben zur MMR- und Windpockenimpfung. Aber die Impfklinik, bei der man hier seine Immunisierung kostenlos und ohne fixen Termin bekommt, hat nur bis 11:30 offen. Das würde jetzt schon knapp, so mit fertig machen und Frühstück und Fußweg dorthin... Dann geht das Haselchen morgen mit dem Raben. Schließlich ist er ja kein Säugling mehr, der nach der Impfung ganz viel stillen muss.

 
 
10:10 Wir haben fertig gekuschelt und der kleine Rabe ist umgezogen. Jetzt bereite ich Frühstück für die Süßmäuler vor. Wenn schon verwöhnen, dann richtig. Daher gibt es für den kleinen Raben und mich Brot mit Nussa (für ihn natürlich nur ein kleines bisschen) und Banane. Das Haselchen macht derweil Kaffee für mich und Nudeln für sich selbst, als Beilage zu den Resten der letzten Lieferservice-Bestellung.

 
 
10:36 Frühstück

 
 
11:15 Frühstück fertig. Ich trinke noch ein bisschen Kaffee und werde dabei zuerst mehr, dann weniger von Kind und Kater belagert. Irgendwann geht der Rabe spielen, wobei ich ihn glücklich beobachte, und der Kater tut, was Katzen halt so tun. Das Haselchen spült und legt sich dann nochmal mit offenen Türen aufs Bett. Das Wetter ist doof und wir haben beide Kopfweh.

 
 
12:45 Wir werden zum ersten Mal heute richtig aktiv und machen eine Ladung Wäsche über. Stoffwindeln, Handtücher und das Kissen aus der Katzentransportbox. Außerdem die blaue Decke, die Saphira am liebsten hatte und auf der sie gestern beim Einschläfern lag. Dabei muss ich erstmal weinen. Aber nur kurz. Ich hänge die trockene Wäsche ab und verräume sie. Dabei beginnt das Haselchen, den kleinen Raben zu füttern. Als ich fertig bin mit der Wäsche, sind die beiden fertig mit der Suppe und wir essen zusammen Pomelo. Der kleine Rabe verputzt fast 2 Schnitze aus der großen Pomelo. Aber es dauert, weil die ja härter ist, als zum Beispiel Mandarine. Dabei redet er außerdem fast ununterbrochen.

 
 
14:15 Jetzt ist auch der Nachtisch beendet und der kleine Rabe geht erstmal aufs Töpfchen und darf ein bisschen Leo den Lastwagen schauen. Dann wickeln wir ihn und ich lege mich mit ihm zum Stillen hin.

 
 
14:35 Der kleine Rabe schläft ein. Ich bleibe bei ihm liegen und schlafe selbst ein bisschen, nachdem ich hier getippt und ein wenig Roller Coaster Tycoon gespielt habe.

 
 
16:36 Der kleine Rabe wacht auf.

 
 
17:15 Wir essen einen gemeinsamen After-nap Snack. Obst mit Joghurt für den kleinen Raben Raben, noch mehr Reste vom Lieferdienst für den Mann, Sülze für mich. Bis der Rabe entdeckt, wie gut Sülze schmeckt und "alibas" (khaladez) fordert. Danach hängt das Haselchen die Wäsche auf und ich spüle, während der kleine Rabe einen mit Konfetti beladenen LKW unter ständigen "Kamas Party!" rufen durch die Wohnung schiebt.

 
 
18:10 Ich gehe duschen. Mit Haare waschen. Zum ersten Mal in diesem Jahr.

 
 
18:45 Ich bin fertig und dufte nach Rosen.

 
 
19:00 Ich beschließe, noch schnell ein paar Muffins zu backen. Dann bereiten wir das Abendessen vor. Butterbrot mit Khaladez, Tomate und Gurke und gebratene Nudeln mit Ei und Ketchup für uns. Außerdem versuchen wir, den Kater zu füttern. Der kommt zwar, will aber nicht fressen. Vielleicht trauert er auch...

 
 
20:00 Wir beginnen mit dem Abendessen.

 
 
21:07 Nachdem er die letzten Stücke des Nachtisch-Muffins an uns verfüttert hat, ist der kleine Rabe satt und zufrieden.
 
 

Jetzt bringe ich ihn ins Schlafzimmer und er darf auf dem Töpfchen ein paar Folgen Leo Junior und die 4 kleinen Autos schauen. Dabei schneide ich ihm unser tägliches Kontingent von 2 Fingernägel und einem Fußnagel. So bleiben alle Nägel gekürzt, ohne dass er bei gefühlt ewigen Schneide-Sitzungen genervt wird, nicht mehr still hält und es alles viel länger dauert, als es sein müsste. Anschließend wasche ich ihn.

 
 
Theoretisch wäre heute Badetag gewesen, aber nun ist es doch ein bisschen zu spät für ein gemeinsames Vollbad. Also halt Haarewaschen im Wäschekorb mit dem "oben ohne Sonnenhut" Dings.
 
 

22:03 Der kleine Rabe ist bettfertig. Das Haselchen bringt ihn rüber und spielt noch ein bisschen mit ihm, während ich Zähne putze und meine Klamotten für morgen rauslege. Dann sagen wir einander Gute Nacht. Der kleine Rabe sagt allen Spielfiguren Nacht, wir lesen die kleine Raupe Nimmersatt und da er sich schon mit einem freudigen "Nacht!" hingelegt hat, lösche ich das Licht.
 
 

22:35 Der kleine Rabe ist nuckelnd eingeschlafen. Ich bleibe bei ihm liegen. Ich mache noch diesen Beitrag fertig und werden dann auch bald schlafen. Morgen muss ich wieder früh aufstehen.

Mittwoch, 4. Januar 2017

RIP Saphira

Heute wurde unsere Katze eingeschläfert.

Sie war nicht die liebste, sie war nicht die kuscheligste. Sie wurde als Kitten in einem Park halb tot, krank und misshandelt eingesammelt, war wochenlang wegen einer ansteckenden Hautkrankheiten in Isolation und wir adoptierten sie über eine Hilfsorganisationen, weil wir eine etwa gleich alte Katze für den Kater suchten.
Anfangs fauchte sie viel. Überhaupt fauchte sie schnell.

Sie wurde nicht gerne angefasst. Sie war sehr unabhängig. Aber sie liebte uns.
Sie leckte unsere Beine ab, wenn wir aus der Dusche kamen. Sie stupste uns mit der Nase an. Sie schnurrte zufrieden, wenn wir uns ihr mit dem Gesicht näherten. Sie war gerne in unserer Nähe. Immer einen Meter entfernt, aber im gleichen Raum. Sie warf sich uns vor die Füße und rollte dort herum.

Sie trank am liebsten direkt aus dem Wasserhahn der Badewanne oder Dusche. Sie kämpfte oft mit dem Kater. Sie hat ihm ein Stück aus dem Ohr gebissen. Sie hatte einen auffälligen Gang - als seien ihre Beine mal gebrochen gewesen. Sie kaute oft an Plastiktüten herum und rannte wie eine Irre mitten in der Nacht durch die Wohnung. Sie war wunderschön und hatte die schönste blau-grünen Augen, die ich je an einem Tier gesehen habe. Sie roch gerne an den Schuhen unserer Gäste. Sie kotze von Anfang an oft. Fast täglich. 

Dann pinkelte sie plötzlich aufs Sofa. Wir waren gehörig sauer. Sie verkroch sich in der neuen Transportbox. Dann kam sie plötzlich nicht zum fressen. Sie fraß nicht. Sie torkelte. Sie pinkelte überall hin, wo sie gerade saß oder lag. Sie putzte sich nicht mehr.

Heute morgen dann putzte der Kater sie.
Schweren Herzens brachte ich sie zum Tierarzt. Ihre Lieblingsdecke dabei und im Wissen, dass ich nicht mehr mit ihr nach Hause kommen würde. Das Haselchen verabschiedete sich von ihr und blieb beim kleinen Raben. Beim Tierarzt dann die Diagnose: Rechte Niere ist praktisch nicht mehr vorhanden, linke Niere ist nur halb so groß wie normal und hat die Funktion eingestellt. Blutarmut, dehydriert, die Leber versagt langsam. 

Sie wurde sediert und ich verabschiedete mich. Ich versprach ihr, dass sie nicht mehr leiden müsste und bald alles gut sei. Und das wir sie nicht vergessen würden. Dann bekam sie die tödliche Injektion und ich kraulte ihren Kopf - das einzige Körperteil, das sie uns gerne mit den Händen berühren ließ - und sie starb.

Ruhe in Frieden, Saphira.